Blood Mania (USA 1970)

Ein vergessener Film zum Vergessen

In Deutschland ist „Blood Mania“ weitgehend unbekannt geblieben. Der 1970 von „Angel“-Regisseur Robert Vincent O‘Neil gedrehte Horrorstreifen lief hierzulande lediglich in ausgesuchten Bahnhofskinos – und das unter dem irreführenden Titel „Porno Mania“. Vermarktet wurde der Film dabei mit starker Betonung des Anteils nackter Haut. Der ist im exploitativen Geiste zwar durchaus üppig, rückt das Gesamtwerk aber nie in Richtung Sexfilm. Kein Wunder also, dass im Germanenland keiner mehr so recht über O’Neils B-Grusler reden wollte. Weitergehend ausgewertet oder gezeigt wurde „Porno Mania“ danach jedenfalls nicht mehr. Ein Verlust ist das jedoch bestenfalls bedingt. 

Dieser Besprechung liegt eine niederländische Super-8-Fassung in englischer Sprache zugrunde. Dabei ist der Film im Rahmen der zwei 120-Meter-Spulen in Sachen Handlung naturgemäß verknappt. Das darf fast als Segen empfunden werden, denn selbst in der gerafften Variante zieht sich das oft soapige Geschehen wie Kaugummi. Es ist ein mit wenig Budget und überschaubaren Ideen gefertigter Schnellschuss, wie sie in jener Zeit zuhauf gedreht wurden. Aufmerksamkeitssteigernd sind höchstens ein paar experimentelle Kameraeinstellungen – auch mal von unten am nackten weiblichen Körper empor –, die zumindest momentweise wirkungsvolle Musik und insbesondere das immerhin ansatzweise unbehagliche Finale. Nur: Wer will schon so lange warten? 

Und Sitzfleisch ist bereits bei der Herleitung der Geschichte gefragt, wenn die hübsche Veronica (spielte unter O’Neil auch in „Wonder Woman“: Maria De Aragon) ihren kranken Vater (Eric Sinclair, „Ma Barker’s Killer Brood“) pflegt. Der ist Arzt und damit natürlich ein widerspenstiger Patient. Regelmäßige Visiten leistet auch Dr. Craig Cooper (Story-Lieferant und Produzent Peter Carpenter, „Vixen!“), ein geförderter jüngerer Kollege des Kranken, der zum Auftakt als Schürzenjäger figuriert wird. Allerdings lässt er eine begehrte Dame wegen einer dringlicheren Angelegenheit nackt in der Badewanne zurück. Sich ihm an den Hals werfen würde auch die nymphomane Veronica nur zu gern. Allerdings blockt er ihre Avancen ab. Das ändert sich jedoch, als ein namenloser flüchtiger Bekannter (Arell Blanton, „House of Terror“) bei ihm auftaucht und ihn wegen illegaler Abtreibungseingriffe erpresst. Mit satten 50.000 Dollar will der Schuft sein Schweigen bezahlt haben.

Da kommt dann Veronica ins Spiel. Denn die willigt nach einer Nacht mit Craig ein, das Geld für seine „Steuerprobleme“ zu organisieren. Was er aber nicht ahnt: Dafür vergiftet sie ihren Vater und spekuliert auf die üppige Erbschaft. Das Qualitätslevel der schauspielerischen Darbietungen wird stellvertretend erfasst, wenn Papi im Todeskampf senkrecht im Bett aufsteigt und ein Gesicht zieht, als müsste er „Blood Mania“ in Endlosschleife ertragen. Mit der Testamentseröffnung wird es aber zumindest düsterer. Denn während Veronica lediglich mit Hausrecht und Taschengeld abgespeist wird, geht das väterliche Vermögen an ihre Schwester Gail (Vicki Peters, „The Cult“). Die hat sich zwar rar gemacht, erfüllt als Blondschopf aber alle Parameter für eine plumpe Kontrastierung der dunkelhaarigen Veronica. 

Trivial-Theater bleibt die Geschichte auch in der Folge. Nur eben mit morbidem Schlussakt. Um den einzuleiten, muss Craig mit der nun vermögenden Gail anbandeln und sich mit ihr vor offenem Feuer räkeln. Das regt in Veronica – schließlich geschieht alles im herrschaftlichen Haus des toten Erzeugers, das in der Realität mal Bela Lugosi gehört haben soll – rasende Eifersucht. Die Folge ist eine sleazig angehauchte Bluttat, die dem Originaltitel durchaus gerecht wird. Und das auch, da der grassierende Wahnsinn mit der mysteriösen Schlusssequenz samt in Blut getauchtem Gemälde noch auf Craig übergreift. Aber für bleibende Eindrücke geht es bei diesem sterbenslangweiligen Schmalspur-Schocker über weite Strecken einfach viel zu betulich zu. Ob nun „Blood“ oder „Porno“ beim Titel vorn angestellt wird: Dieser rare 70’s-Vertreter kann getrost weiterhin vergessen werden. 

Wertung: 2.5 out of 10 stars (2,5 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Dark Water (USA 2005)

    Seit dem Erfolg von „The Ring“ ist der Japanische Gruselfilm Hollywoods Gänsehautgarantie. Mit dem Remake zu „Dark Water“ (2002) zeigen sich allerdings erste Abnutzungserscheinungen. Denn die arg verwässerte US-Interpretation von Kôji Suzukis („Ring“) ohnehin nur geringfügig originellem Skript nimmt sich zu wenig Raum für eigene Impulse. Befangen im erfolgsverwöhnten Trend, den Originalen eine kostenintensive Verwestlichung…

  • Lesson of the Evil (J 2012)

    „United we stay. Divided we fall.“ – Aus der Punk-Historie und dem Überlebenshandbuch des Horrorfilms Um Takashi Miike ist es ruhiger geworden. Früher legte der eigenwillige, oft auf die provokante Zurschaustellung von Gewalt setzende Regisseur ein halbes Dutzend Werke pro Jahr vor. Meist waren es schnell gefertigte B-Filme. Doch seit einiger Zeit dreht er vorrangig…

  • Air Force One (USA 1997)

    Ein Film, stellvertretend für Hollywoods Traumwelt politischer Realitäten. Da ist der US-Präsident, eine schmucke Gestalt, ein Edelmann von menschlicher Größe und Weitsicht. Er hält eine Rede in Moskau, wird von seinem russischen Amtskollegen als Freund vorgestellt und verurteilt in einem flammend humanistischen Plädoyer den (fiktiven) Völkermord in der ehemaligen Sowjetrepublik Kasachstan. Der dort willkürlich herrschende…

  • The Firm – 3. Halbzeit (GB 2009)

    England, deine Hooligans. Auf der Insel werden Fußballschläger mitunter fast mythisch betrachtet, was gerade in jüngerer Vergangenheit zur Aufarbeitung durch verschiedene Filmemacher führte. Nach „The Football Factory“ (2004) widmet sich erneut auch Szenekenner und Ex-Hooligan Nick Love diesem stets aktuellen Thema. Mit „The Firm“ allerdings blickt er in der Vergangenheit zurück und präsentiert ein gelungenes…

  • Dark City (USA 1998)

    Alex Proyas futuristischer Mystery-Thriller setzte neue Maßstäbe, was das Genre der düsteren und etwas depressiv stimmenden Filme seiner Zeit im Angebot hatte. „Dark City“ ruft Atmosphäre hervor, aber nur soviel, dass man sich nicht in der Geschichte verliert. Hatte man bei Proyas „The Crow“ manchmal das Gefühl, mit vor Ort zu sein, die Rachegelüste der…

  • I Am Legend (USA 2007)

    Und wieder ist Robert Neville (fast) allein auf Erden. „I Am Legend“ ist bereits die dritte Leinwandfassung des wahrhaft legendären Romans von Richard Matheson. „Constantine“-Regisseur Francis Lawrence verlegt das Geschehen von der amerikanischen West- an die Ostküste und macht New York abermals zum Ground Zero. Jener Robert Neville, ehemaliger Armeeoffizier, Wissenschaftler und Familienvater, fristet in…