Blood & Donuts (CAN 1995)

blood-and-donuts„Am I employing retards? I have nothing against retards in general, I just can’t afford to employ them.” – Stephen

Nicht erst seit Robert Rodriguez Hardcore-Fantasy „From Dusk Till Dawn“ ist der Vampir im Kino über die barocke Spukgestalt Bram Stokers hinausgewachsen. Das unterstreicht auch die kanadische No-Budget-Produktion „Blood and Donuts“. 1995 gedreht und bereits drei Jahre später im deutschen Free-TV ausgestrahlt, wird der Film erst jetzt auf DVD für Verleih und Handel ausgewertet. Produziert wurde das konventionslose Unikum von Colin Bunton („Cube“) und Steven Hoban („Ginger Snaps“), die Inszenierung besorgte TV-Regisseurin Holly Dale („Relic Hunter“, „Stargate: Atlantis“).

Als der erste Mensch seinen Fuß auf die Oberfläche des Mondes setzt, bettet sich der Vampir Boya (Gordon Currie, „Highwaymen“) zur Ruhe. Nach jahrzehntelangem Schlaf wird er unsanft von einem verirrten Golfball erweckt und sucht seinen Weg zurück ins untote Leben. Dabei hat Boya genug davon, Menschen das Blut auszusaugen und nimmt lieber mit Ratten oder frischer Leber vorlieb. Als er den Taxifahrer Earl (Justin Louis, „Dawn of the Dead“) kennen lernt, schlingert der langzahnige Außenseiter unvermittelt in dessen Auseinandersetzung mit den Kleingangstern Pierce (Frank Moore, „Mord im Weißen Haus“) und Axel (Hadley Kay, „Superman II“). In der Kellnerin Molly (Helene Clarkson, „Love Child“), einer Freundin Earls, findet Boya emotionalen Halt. Ihr Arbeitsplatz, eine für hausgemachte Donuts geschätzte Kaffeebar, wird zum Angelpunkt der Schicksale aller Beteiligten, als sich die Ereignisse schließlich überschlagen.

„Blood and Donuts“ ist ein obskurer Streifen mit visueller Nähe zu den Neunzehnachtzigern. Nah an der Grenze zum Amateurfilm gelegen, entspinnt sich die Geschichte der balladesken Grusel-Philosophie zaghaft und ohne erkennbare Zielsetzung. Dem lakonischen Grundtenor der außergewöhnlichen Tragikomödie steht die bewusste Unstrukturiertheit nicht im Wege. Im Gegenteil. Höhepunkt des Films ist die kuriose Nebenrolle von Regisseur David Cronenberg („A History of Violence“), der als lokaler Pate Stephen durch genussvolle Verbalattacken glänzt. „Blood and Donuts“ ist eine sympathische Underground-Burleske mit Hang zu konsequenter Andersartigkeit. Nur allzu verzeihlich erscheinen da formale Mängel und Justin Louis arg aufgesetztes Spiel.

Wertung: (6 / 10)

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