Blood Creek (USA 2009)

blood-creekWo in (meist) amerikanischen fantastisch anmutenden Filmchen ein Nazi durchs Bild huscht, ist eines unverzüglich klar: Es geht okkult zu! In der Unterhaltungsindustrie sind die einstigen Möchtegern-Übermenschen und geheimwissenschaftliche Anstrengungen unlösbar verzweigt. In Klassikern wie der „Indiana Jones“-Reihe oder Guillermo del Toros erster „Hellboy“-Adaption funktionierte dies vorzüglich, ebenso im grandiosen Low Budget-Trasher „Der goldene Nazivampir von Absam 2“. Und was ein Spielberg oder del Toro kann, das kann bestimmt auch ein Joel Schumacher! Dachte sich womöglich zumindest Joel Schumacher.

Der bekannte Filmemacher spaltet die Kinogemeinde ungemein. Auf der einen Seite haben wir ihm „Flatliners“ und „Falling Down“ zu verdanken. Auf der anderen können, nein müssen wir ihn für „Batman & Robin“ verdammen. Doch auch nach dieser Schande durfte der gebürtige New Yorker weiterhin im Filmbusiness tätig bleiben. Nach gelungeneren („Nicht auflegen!“) und weniger gelungeneren („Das Phantom der Oper“) Titeln präsentiert Schumacher mit „Blood Creek“ mal wieder einen Ausflug ins Horrorgenre.

Wir schreiben das Jahr 1936 und befinden uns irgendwo in den USA. Auf der Farm der deutschen Auswandererfamilie Wollner taucht der Nazi-Okkultist Richard Wirth (Michael Fassbender, „Inglorious Basterds“) auf. Im Auftrag Hitlers soll er alte Runensteine suchen, die die Wikinger während ihrer Besuche mal so rumliegen ließen. Schnitt: 74 Jahre später läuft Evan Marshall (Henry Cavill, „Hellraiser: Hellworld“) sein verschollener Bruder Victor (Dominic Purcell, „Prison Break“) über den Weg, der in den letzten zwei Jahren auf eben jener Farm grausam gefoltert wurde. Victor überredet Evan zur Ranch zurückzukehren, um Rache zu nehmen. Was sie dort aber wirklich erwartet, hätten sie sich in ihren kühnsten Träumen nicht ausmalen können.

Zombie-Pferde, unsterbliche Auswanderer und ein im SS-Mantel herumlaufender Vampir-ähnlicher Magier. Das hört sich so absurd an, dass es doch gar nicht schlecht sein kann. Oder etwa doch? Ein wilder Mix ist es allemal, doch schafft Schumacher es nicht, diese Zutaten zu einem ansehnlichen Derivat zu verrühren. Der Film kommt schnell in Fahrt und allzu lange dauert es nicht, bis klar wird, was des Pudels Kern ist. Der böse Nazi von einst ist zu einem Dämon mutiert, den nur Menschenblut am Leben hält. Die Wollners sind durch einen Zauber unsterblich geworden und füttern den bösen Deutschen, damit er nicht ausbricht und sonstwo noch mehr Chaos anrichten kann. Dabei kann er das gar nicht, weil er magisch an die Farm gebunden ist. Oder so ähnlich.

Victor diente ihm vor seiner Flucht als Nahrungsquelle. Evan, der seinen Bruder nicht unbedingt verehrt, begleitet ihn, ohne mit der Wimper zu zucken, zur Farm des Schreckens und erschießt ohne jedes Hinterfragen wildfremde Menschen. Klingt komisch, ist aber so! Das Nazimonstrum, dass in den 1930ern noch die Weltherschafft für den Führer beanspruchen wollte, gibt sich einige Jahrzehnte später mit einem popeligen Bauernhof zufrieden. Und ins Haus kann er auch nicht, weil die Fenster mit Runensymbolen vollgeschmiert sind. Was er aber kann, ist Toten durch lustiges Murmeln ein zombieähnliches Dasein bescheren. Aber auf die Idee, mal die Fenster von Weitem zu zerschlagen, kommt er in all den Jahren nicht. Kein Wunder, dass das Dritte Reich untergehen musste, wenn solche Knallköppe damit beauftragt wurden, die Welt zu unterjochen.

Es wird noch viel geschossen und blutig gestorben, bis der Freak besiegt ist. Schlussendlich steht die Pointe, dass der österreichische Megalomane Hitler seinerzeit acht und nicht nur einen Okkultisten nach Amerika ausgesandt hat, um nach mysthischen Dingsda zu suchen. Theoretisch könnten also noch sieben weitere „Blood Creek“-Filme über uns kommen. (Gott bewahre!) Es sei fairerweise noch erwähnt, dass der im Original eigentlich unreißerisch „Town Creek“ betitelte Streifen nicht mit dem kanadischen „Blood Creek“ von 2006 verwechselt werden sollte. Der nämlich ist sogar noch um Welten mieser als Schumachers Beitrag.

Wertung: 3.5 out of 10 stars (3,5 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • The Last Kumite (D/USA/BG 2024)

     Früher war alles besser!? Noch vor der Jahrtausendwende endete die Ära regelmäßig in die Videotheken gespülter Karate-Actioner. In Asien waren Martial-Arts-Filme seit den 1960ern Teil des filmwirtschaftlichen Selbstverständnisses und durch den legendären Bruce Lee wurde die Begeisterung auch im Westen entfacht. Den Trend trat jedoch erst „No Retreat, No Surrender“ (1985) los, mit dem Hauptdarsteller…

  • Crimson Peak (USA 2015)

    „Ghosts are real. This much I know.“ – Edith Cushing Guillermo del Toro („Pans Labyrinth“), das wird bei einem Blick auf seine kreative Vita unmissverständlich klar, liebt traditionelle Gruselstoffe. Sein vielleicht am deutlichsten in diese Richtung weisendes Werk ist „Crimson Peak“. Das Mystery-Drama atmet den Geist alter Universal-Meilensteine und lehnt sich – neben den Spukhaus-Klassikern…

  • Man’s Best Friend (USA 1993)

    Als Regisseur blieb John Lafia („Chucky 2“) stets ein solider B-Filmer. Nur das Drehbuchschreiben mochte ihm nicht recht gelingen. Bester Beweis dafür ist der tierische Horror-Thriller „Man’s Best Friend“, in dem der titelgebende beste Freund des Menschen mehr an dessen Ableben interessiert ist. Bevor Hund Max aber zur bissigen Tat schreitet, wird ein haarsträubend unlogisches…

  • InAlienable (USA 2008)

    Walter Koenig dürfte jedem Science-Fiction-Fan ein Begriff sein. Wenn nicht durch seine Rolle als Psi-Korps-Agent Alfred Bester in „Babylon 5“, dann ganz gewiss als Pavel Chekov, dem Navigator der originären U.S.S. Enterprise. Der Amerikaner mit europäischen Wurzeln hat in seinem Leben aber mehr als nur geschauspielert: Theaterstücke, Romane, Drehbücher und sogar eine eigene Comicreihe („Raver“,…

  • Die Brücke von Arnheim (GB/USA 1977)

    Am Anfang stehen Dokumentaraufnahmen in Wochenschaumanier. Sie werden von einer Frauenstimme im vom Krieg zerrissenen Europa des Jahres 1944 verortet. Im Juni hatten die alliierten Streitkräfte den Sturm auf Hitlers Reich begonnen und mit der erfolgreichen Landung in der Normandie den Grundstein für die Befreiung gelegt. Kaum zwei Monate später waren die Nazis aus Paris…

  • The Gunfighters – Blunt Force Trauma (CO 2015)

    Über Jahrhunderte hinweg war das Duell ein festen Regeln unterworfenes Mittel, um nicht allein in erlauchten Kreisen ehrbezogene Streitigkeiten auszutragen. In der Neuzeit sind die potentiell tödlichen Zweikämpfe verboten. Mit „Blunt Force Trauma“ – hierzulande mit dem Vorrang „The Gunfighters“ versehen – etabliert Autor und Regisseur Ken Sanzel („Kill Chain“) eine Subkultur im kolumbianischen Hinterland,…