Black Water (AUS 2007)

black-waterBasieren Filmwerke auf wahren Ereignissen, haftet ihnen stets etwas Unbequemes an. Die Anteilnahme des Zuschauers an Extremsituationen, die zumindest im Kern auf einen realen Hintergrund verweisen, birgt einen Reiz, der sich aus der Suggestion speist. „Black Water“ spielt mit Urängsten, dem schutzlosen Ausgeliefertsein des Menschen vor der unberechenbaren Gewalt der Natur. Die Furcht der Protagonisten ist die des Zuschauers. Sie resultiert aus der Ungewissheit, aus dem, was passieren könnte. Und natürlich dem, was tatsächlich geschieht.

Das Filmdebüt von David Nerlich und Andrew Traucki erinnert in seinen Grundfesten an „Open Water“. Waren es dort zwei vergessene Taucher, die in den schier endlosen Weiten des Ozeans um ihr Leben fürchteten, sind es hier drei Urlauber, die vor einem Krokodil in die Bäume flüchten. Die Nase vorn hat dabei „Black Water“. Trotz der zurückhaltenden Inszenierung verzichten die Macher auf einen dokumentarischen Anstrich. In der stimmungsvollen Bildmontage und der steten musikalischen Untermalung befolgen sie vielmehr gewisse Spielregeln des konventionellen Kinos. Mit durchschlagender Wirkung.

Adam (Andy Rodoreda, „Blue Heelers“), Freundin Grace (Diana Glenn, „Somersault“) und ihre Schwester Lee (Maeve Dermody, „All Shook Up“) unternehmen einen Angelausflug in die australischen Sümpfe. Fernab jeglicher Zivilisation wird ihr Boot plötzlich attackiert, ihr Führer getötet. Die einzige Zuflucht bieten die Mangrovenbäume, auf deren Ästen das Trio ausharrt. Mit schwindender Hoffnung auf Rettung steigt der Drang der Selbsthilfe. Gleichwohl die Anspannung, versteht sich das Autoren- und Regisseurgespann doch vorzüglich auf psychologischen Terror auf wie vor dem Bildschirm.

Die Figuren werden nur kurz vorgestellt. Es braucht keine großspurige Einleitung, um ihre Todesangst begreifbar zu machen. Das besorgt bereits die Unsichtbarkeit der Gefahr. Da sind nur das trübe Wasser und die Geräusche der Wildnis. Erst nach der Halbzeit taucht das Krokodil in einer konstruiert wirkenden, jedoch ungemein effektiven Einstellung auf. Der nervenzerrende Schocker ist stark gespielt und setzt die imposante Naturkulisse geschickt als Verstärker der dichten Atmosphäre ein. Die Beklemmung ebbt dabei auch nach dem eindringlichen Finale nicht ab. Kein Horror nach klassischem Muster und gerade deshalb ein klarer Geheimtipp.

Wertung: (8 / 10)

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