Black Snake Moan (USA 2006)

black-snake-moanDas Exploitation-Kino der 70er ist wieder in aller Munde. Maßgeblichen Anteil daran haben die Herren Rodriguez und Tarantino mit ihren im ersten Fall mehr und im zweiten Fall weniger gelungenen Werken „Planet Terror“ bzw. „Death Proof“. Auch „Black Snake Moan“ von „Hustle & Flow“ Regisseur Craig Brewer scheint in eine ähnliche Richtung zu gehen, wobei dies dem Betrachter auf dem Plakat letztlich nur vorgegaukelt wird.

Die junge Rae (Christina Ricci) ist die Schlampe ihres kleinen Heimatortes, dies bereits seit Jahren. Es heißt, jeder Mann hätte ihr Inneres schon gesehen, womit diese offenkundig aber keine größeren Probleme hat. Von ihrem freizügigen Lebenswandel ahnt ihr Freund Ronnie (Justin Timberlake) nichts. Als dieser sich zum Militärdienst meldet, bricht für Rae eine kleine Welt zusammen. Schnell begibt sie sich wieder in die Hände anderer. Als sie voller Drogen und Alkohol von einem „Freund“ verprügelt und aus dem Wagen geworfen wird, findet sie am nächsten Morgen der ehemalige Blues-Musiker Lazarus (Samuel L. Jackson), der sich der jungen Frau annimmt. Er erfährt schnell, um was für eine Person es sich bei Rae handelt und macht es sich fortan zur Aufgabe, die leichtbekleidete Frau von ihren Dämonen zu befreien.

Eine junge weiße Schönheit, angekettet vom bösen schwarzen Mann. Alleine das Cover von „Black Snake Moan“ wirkt aufwühlend, kontrovers. Zwar spielen Ketten und vor allem Sex im Film eine große Rolle, jedoch insgesamt weitaus weniger kontrovers, als es das Cover suggeriert. Seine Stärken hat der Film vor allem anfangs, wenn die menschlichen Abgründe Christina Riccis („Monster“) offenbart werden. Regisseur Craig Brewer spielt mit Klischees und provokanten Bildern. Sex, Alkohol und Drogen als Lebenselixier des einsamen und hoffnungslosen weißen Pöbels. Auf der anderen Seite Samuel L. Jackson („Pulp Fiction“) als ebenso alleingelassener Mann. Der frühere Blues-Musiker hat den Mut vergangener Tage verloren. Erst als er die halbtote Christina Ricci auf der Straße aufsammelt und diese von ihren Dämonen zu befreien versucht, findet auch er wieder in die Spur des Lebens.

Hervorzuheben sind in diesem unterm Strich recht harmlosen Film seine beiden Hauptdarsteller. Vor allem Christina Ricci gibt die White Trash-Schönheit mit makellosem Körper sehr überzeugend. Dass sie ein Faible für eher ungewöhnliche Charaktere hat, ist bekannt, doch mit der Figur der jungen Rae setzt auch sie Maßstäbe. Ricci öffnet sich fast komplett, läuft die meiste Zeit des Films halbnackt durch die Gegend. Sie scheint sich darin zu gefallen, zeigt keine Berührungsängste, andere Darstellerinnen ihres Alters hätten wohl beschämt abgesagt. Auch Samuel L. Jackson spielt überzeugend einen einsamen, aber später um sein Leben kämpfenden Mann. Seine besten Szenen hat er jedoch dann, wenn er die Gitarre in die Hand nimmt und sich dem Blues hingibt. Nach seinem guten Auftritt in „Alpha Dog“ geht dagegen Justin Timberlake neben dem Duo Ricci/Jackson unter.

Man mag Brewer vielleicht vorwerfen, dass er nicht provokant und konsequent genug gewesen ist, der Regisseur mehr Mut und Entschlossenheit hätte zeigen können. Bei den religiösen Anspielungen des Films hält er sich in positiver Art und Weise zurück, dennoch hätte er an anderer Stelle durchaus kontroverser sein können. Es ist eher das arrangierte Ende, mit dem wohl jeder seiner Protagonisten irgendwie leben kann, welches einen leicht faden Beigeschmack hinterlässt.

Wertung: 6.5 out of 10 stars (6,5 / 10)

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