Birds of Prey (I/E/MEX 1987)

birds-of-preyWenn Vögel zu sehr hassen: In „Birds of Prey“ prangert Exploitation-Spezi René Cardona Jr. („Tintorera! Meeresungeheuer greifen an“) die skrupellose Ausbeutung der Natur an. Dazu werden einleitend am Machu Pichu in Peru Inka-Legenden von der Bestrafung der frevelnden Menschheit gewälzt. Recht so! In Acapulco wird darauf ein Drachenflieger von einem aggressiven Adler attackiert. Damit nicht genug, häufen sich auch an anderen Erdteilen Meldungen über Übergriffe von Vögeln. Ob die sich an der unpassenden Dudelmusik stören?

Wie üblich bei Cardona, der hier in Personalunion von Autor, Produzent und Regisseur in Erscheinung trat, vermischen sich klassische Exploitation und unfreiwillige Komik. Die Dialoge in dieser reißerischen Variation von Hitchcocks „Die Vögel“ sind absurd und auch schauspielerisch wird manche Bodensenke durchschritten. Im Zentrum des grob gestrickten Handlungskonstruktes steht die spanische Fernsehjournalistin Vanessa (Michelle Johnson, „Dr. Giggles“), die zum eigenen Unwillen über die „gefiederte Meuterei“ berichten soll.

Mit Kameramann Peter (Christopher Atkins, „Shakma“), zugleich ihr Lebensgefährte, folgt sie Spuren und fügt Augenzeugenberichte zusammen. Das umfassende Bild des Schreckens fügt sich allerdings durch Einzelschicksale zusammen. Das Ende ist meist der Tod. Und so arbeitet sich Cardona in plakativer Manier an bewährter Zivilisations- und Fortschrittskritik ab, lässt das Blut in Zeitlupe spritzen und inszeniert die Attacken der gefiederten Rächer mit opernhaftem Touch. Schockwirkung hat das Ganze nicht. Auf eine abseitige Art unterhaltsam ist es trotzdem.

Der Kampf ums ökologische Gleichgewicht dient einmal mehr als Legitimierung der „Rache der Natur“. Bei der reißen Greifvögel unbescholtenen Menschen die Augen aus dem Kopf, während Vanessa und Peter das Puzzle des Schreckens zusammensetzen. Am Ende helfen sie dabei, eine Dorfgemeinschaft auf der Schiene zu evakuieren. Die lose Erzählweise, bei der Vogelangriffe und Reporterrecherchen aneinandergereiht werden, kommt ohne großes Tempo aus. Dafür konterkariert Cardona die kritische Message, indem er schamlos auf Tauben feuern lässt. Das Wohl der in seinen Filmen eingesetzten Tiere lag ihm ohnehin nie sonderlich am Herzen.

Die deutsche DVD von CMV beinhaltet neben der regulären 80-minütigen Version auch eine alternative, rund fünf Minuten längere Schnittfassung, die in der Ausbreitung des Schreckens etwas schlüssiger wirkt und einleitend eine stärkere Fokussierung auf den Umgang des Menschen mit der Natur vornimmt. Wirklich besser wird der Film durch sie nicht, im Vergleich ist diese Variante – u.a. auch mit einem verlängerten Angriff auf die Drachenflieger – aber die bessere Wahl. Zum Piepen bleibt „Birds of Prey“ trotzdem von vorn bis hinten.

Wertung: (4 / 10)

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