Belly of the Beast (HK/CDN/GB 2003)

belly-of-the-beastSchweinchen Dick is back! Endlich möchte man sagen, denn der ehemalige Schlagetot vom Dienst Steven Seagal musste in den letzten Jahren oft Federn lassen. Wenn auch zu jederzeit berechtigt. Zu Beginn seiner beachtlichen Karriere mit Streifen wie „Above the Law“ oder „Hard to Kill“ schnell zu Ruhm und Ehre gereift, konnte er in seinen guten Jahren selbst an der Kinokasse für Furore sorgen. Eigentlich nicht ganz verständlich, denn schauspielerisch war Freund Steven schon immer ‘ne Knackwurst und fiel lediglich durch mimische Inkompetenz auf. Doch seine Filme hatten stets Unterhaltungswert, der sich beizeiten in ellenlangen Gewaltorgien widerspiegelte und er wohl ohne Frage mehr Knochen brach als der Pfarrer Brot in der Kirche nebenan. Dann wurde es jedoch dunkel um ihn, es fing mit schrecklichen Werken an, die Gewalt blieb auf der Strecke und man näherte sich unaufhaltsam dem Karriereende.

Hinzu kam der körperliche Verschleiß, das Ende filmischen Schaffens vor Augen, schaute er wohl des öfteren mal beim Asiaten um die Ecke vorbei. Denn anders ist der wohlgenährte Bauchumfang und der dezente Schwammkopf nicht zu erklären. Ob da der Titel seines letzten Werkes „Belly of the Beast“ mehr als nur eine kleine Anspielung ist? Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Ein Trailer sorgte vor kurzem jedoch für gesteigertes Interesse und den letzten Kick gibt Regisseur Ching Siu-Tung. Dieser zeichnet sich für etliche Hongkong-Meisterwerke wie „A Chinese Ghost Story“ verantwortlich und so könnte auch dieses Seagal-Vehikel unter Umständen ein besseres werden. Der mimt hier (wie eigentlich immer) den Ex-CIA-Agenten, namentlich Jake Hopper, der, nachdem seine Tochter während eines Urlaubs in Thailand von Terroristen entführt wird, ebenfalls die Reise gen Fernost antritt. Dort angekommen, macht er sich nicht sonderlich viele Freunde und sorgt mit seinem alten Partner für zahllose Leichen sowie gebrochene Knochen und findet sogar eine neue Liebe.

Warum eine unnötige Story elend in die Länge ziehen? Die Geschichte, die sich hinter „Belly of the Beast“ verbirgt, kennt man eh aus tausend anderen Filmen. Zudem offenbart der Name Steven Seagal nicht gerade schauspielerische Qualität oder sonstigen Anspruch, den man im Kino und ab und an auch auf exklusiven Videopremieren sucht. Die mittlerweile arg beleibte (wobei hier auch wieder etwas weniger mit Füllmasse behaftete) Action-Frühlingsrolle darf dann aber hier mal wieder längst vergessene Kunststücke vorführen und sorgt eigentlich fast ohne größere Pausen für ordentlichen Budenzauber. Inmitten dieser recht ausgedehnten Action-Szenen glänzt Seagal mit üblich versteinerter Miene und dem wohl ausdruckslosesten Gesicht seit der Anfangsphase des Films. Dazu sorgen seine bereits seit Jahren getragenen „Verkleidungen“ für heftiges Kopfschütteln, doch möchte man ihn auch nicht unbedingt in engen Jeans durch Fernost tapern sehen.

Doch unterscheidet sich Seagals neuester Streich gehörig von seinen letzten Werken, etwa „Out for a Kill“ oder „The Foreigner“. Zum einen ist die Bildsprache eine andere, denn man hat es hier schon mit einer gewissen Ästethik zu tun, von der Lieblosigkeit seiner letzten Auftritte ist man hier doch um einiges entfernt. Dafür ist aber niemand anderes als Regisseur Ching Siu-Tung zuständig, der sich für einige HK-Klassiker verantwortlich zeigte und der Seagal zu einem ansprechenden „Comeback“ verhilft. In den zahlreichen Kämpfen kommt die berühmte Drahtseil-Technik eigentlich immer zum Zuge und Seagal darf hier ungewohnt oft seine Beine einsetzen, was ja sonst eigentlich nicht zu seinen Stärken gehört. Doch moderner Technik und guter Choreografie sei Dank, die Fights machen Laune. Es geht hier und da sicherlich ein wenig schnell zu, doch die Kamera steht eigentlich immer richtig und fängt das Geschehen überzeugend ein. Viele Zeitlupensequenzen runden die Sache ab und in diesen Momenten kann sich der Film durchaus mit einigen großen Produktionen aus Hollywood messen.

Neben vielen im direkten Körperkontakt stehenden Kämpfen kommt aber auch der Gebrauch von Schusswaffen nicht zu kurz, wobei hier vor allem eine minutenlange Schießerei in der Mitte des Films erwähnt werden darf. Seagal fliegt hier zwar etwas unrealistisch wie ein junger Gott durch die Gegend, doch optisch wie handwerklich stimmt es einfach. Zwischen den Keilereien und Shootouts wurde dann sogar noch eine Liebesgeschichte rund um den Wonneproppen geschrieben, die allerdings überflüssig wie ein Kropf erscheint. Dafür gibt es hier ungelogen eine heftige Knutschorgie vom Meister persönlich, der allerdings von der mehr als emotionslosen Darstellung nicht abrückt. Während des Mattengerangels sieht man jedoch nur Seagals überaus junge Partnerin unbekleidet, der Meister himself hält sich was seine prächtigen Klamotten angeht aus bekannten Gründen mehr als bedeckt. Abstriche gibt es zwar dann einige bei „Belly of the Beast“ zu verzeichnen, doch sind diese vornehmlich auf gängige B-Klischees zurück zu führen.

Die Story ist dünn, mehr als das sogar, doch stößt dieses Manko dank einer ordentlichen Inszenierung und der ein oder anderen Million im Budget weniger auf als bei vergleichbaren Filmen. Auch die Schauspieler rund um unseren Handkanten-Liebling sind sicherlich nicht von Gottes Gnaden mit Talent gesegnet, so richtig peinliche Aussetzer spart man sich aber dann dennoch. Etwas übel ist das große Finale inklusive Voodoo-Puppen-Zauber geraten, wobei auch hier die Bildsprache und ordentliche Inszenierung das Negative überwiegt. Insgesamt hat man es hier wider Erwarten mit einem anständigen Action-B-Movie zu tun, bei dem Seagal mal wieder ein wenig mehr zeigen darf als zuletzt und zumindest wieder auf einer Länge von 90 Minuten ansatzweise überzeugen konnte. Wenn jetzt die Intervalle zwischen den Mahlzeiten weiter eingeschränkt werden und weiterhin mit Leuten wie es hier der Fall war zusammengearbeitet werden kann, dann wird man doch noch in den nächsten Jahren das ein oder andere kleine Highlight von Steven Seagal zu sehen bekommen.

Wertung: (6 / 10)

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