Bella Martha (D/A/CH/I 2001)

bella-marthaDass Liebe auch durch den Magen geht, wissen geneigte Kinogänger nicht erst seit Lasse Halströms Welterfolg „Chocolat”, quasi der Renaissance des fast in Vergessenheit geratenen „Food-Films”. Die jüngste Beisteuerung zum Thema aus deutschen Landen trägt den Titel „Bella Martha”. Das von der renommierten Fernseh-Regisseurin und ehemaligen Spiegel-TV-Redakteurin Sandra Nettelbeck in Szene gesetzte Drama handelt von Martha Klein (Martina Gedeck), ihres Zeichens Küchenchefin eines noblen Restaurants im Herzen Hamburgs. Ihr Beruf geht Martha über alles und kaschiert obendrein ihr tristes, beinahe verkümmertes Privatleben. So blüht die kühl, berechnend und ihrer Umwelt gegenüber stets auf Distanz eingestellte Frau auch lediglich im perfektionsverwöhnten Mikrokosmos der sterilen Restaurantküche auf.

Dort hat sie das Sagen, behält die Kontrolle über alle Aktivitäten und lässt durch ihre vollendete Kochkunst den Erfolg des Etablissements ständig neue Früchte tragen. Jedoch ändert sich Marthas Leben schlagartig, als sie telefonisch vom Unfalltod ihrer Schwester erfährt und im Zuge dieser Tragödie die Verantwortung für ihre Nichte Lina (Maxime Foerste) übernimmt. Zumindest so lange, bis Linas unbekannter Vater italienischer Herkunft in seiner Heimat aufgespürt und informiert wurde. Zu allem Überfluss wird Martha von Restaurantinhaberin Frida (Sybille Canonica) auch noch der virtuose Koch Mario (Sergio Castellitto) zur arbeitsbedingten Entlastung vorgesetzt. Der lebenslustige wie gutmütige Italiener ist der introvertierten Chefköchin anfangs zwar ein Dorn im Auge, doch gelingt es ihm, die in sich gekehrte Lina zur Nahrungsaufnahme zu bewegen und darüber hinaus die Lebensgeister in Marthas gequälter Seele zu wecken.

Leise, mit beinahe spürbarer Unaufdringlichkeit zeichnet Regisseurin Sandra Nettelbeck („Mammamia”) eine anrührend tragikomische Geschichte um kulinarische Genüsse und seelische Abgeschiedenheit, untermalt durch familiäre Problemsituationen und die zarte Romanze der beiden Köche. Jedoch schleicht sich nach verheißungsvollem Auftakt Langatmigkeit ein, die „Bella Martha” in Hälfte zwei beizeiten arg zäh erscheinen und obendrein in ein völlig missglücktes Finale ausufern lässt, das ohne große Schwierigkeiten mit jedem zweitklassigen Fernsehfilm konkurrieren kann. Auch hinsichtlich der Lauflänge wäre weniger eindeutig mehr gewesen. Der Nebenhandlungsstrang etwa, in dem Martha aus kaum nachvollziehbaren Gründen therapeutische Behandlung in Anspruch nimmt, erscheint doch arg überflüssig und lückenfüllend. Den sehenswert agierenden Darstellern ist indes kein Vorwurf zu machen, die Schwächen von „Bella Martha” liegen vielmehr in den Tiefen des durchwachsenen Drehbuchs verwurzelt. Martina Gedeck („Rossini”) verkörpert die Rolle der Martha durchweg überzeugend und weiß Stärken und Schwächen ihres Charakters stets glaubwürdig, nie gekünstelt zu präsentieren.

Verdienter Lohn dieser schauspielerischen Leistung war der diesjährige Deutsche Filmpreis als beste Hauptdarstellerin. Daneben glänzt vor allem Sergio Castellitto („Im Rausch der Tiefe”), nicht nur in seinem Heimatland Italien längst angesehener Charaktermime. Nebenbei gelingt es auch Kinodebütantin Maxime Foerste („Der Mörder meiner Mutter”), Sybille Canonica („Nach fünf im Urwald”) und Ulrich Thomsen („Das Fest”), im Rahmen ihrer doch eher kleineren Rollen Aktzente zu setzen. So ist „Bella Martha”, übrigens unter dem Titel „Mostly Martha” sogar mit achtbarem Erfolg in ausgewählten amerikanischen Lichtspielhäusern gelaufen, letztlich leicht verdauliche Kost, eindringlich gespielt, aber gegen Ende schlicht zu flach. Schade um das verschenkte Potential, aber immerhin tritt Sandra Nettelbeck den Beweis an, dass auch deutsches Kino mit internationalen Standards mithalten kann.

Wertung: (6,5 / 10)

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