Beim ersten Mal (USA 2007)

beim-ersten-malSeit „Jungfrau (40), männlich, sucht…“ gilt Judd Apatow als neue Hoffnung am Komödienhimmel. Mancherorts wird er gar mit John Hughes („Breakfast Club“) verglichen. Obwohl sich beide Regisseure auf hinreißend bissige Geschichten über das Erwachsenwerden verstehen, will die Gegenüberstellung nicht recht zutreffen. Denn im Unterschied zu Hughes findet Apatow bei seinen Filmen kein Ende. Auch die Schwangerschaftsposse „Beim ersten Mal“ verschlingt locker zwei Stunden, indem diverse Subplots durch eine Fülle an Nebenfiguren (u.a. gespielt von den Nachwuchs-Komödianten Jonah Hill, Jay Baruchel und Jason Segel) unnötig aufgeblasen werden.

Stören wird das nur, wen die treffsicheren Gags nicht mitreißen. Die humoristische Dichte macht vergessen, dass der Plot um zwei grundverschiedene Twentysomethings, die nach einer durchzechten Nacht im Bett landen und Wochen später gemeinsamen Elternfreuden entgegenfiebern, nach altbekanntem Muster abgespult wird. Da ist der lustige Dicke Ben (klasse: „Superbad“-Autor Seth Rogen), ein sorglos in den Tag lebender Kiffer jüdisch-kanadischer Herkunft und die aufstrebende TV-Moderatorin Alison („Grey’s Anatomy“-Star Katherine Heigl), ein Bilderbuchblondchen auf Karrieretrip.

Als sie befördert wird, endet die Zelebration mit Schwester Debbie (Leslie Mann, „Nix wie raus aus Orange County“) im Alkoholrausch. Umso größer wiegt der Schock, den nackten Ben Tags darauf in ihrem Bett vorzufinden. Sie hakt die Eskapade ab und widmet sich der Arbeit, was erschwert wird, als sie Wochen später die Mülleimer des Fernsehstudios vollkotzt. Nach Schwangerschaftstest und Panikattacke ist das Dilemma perfekt. Eine Abtreibung kommt für Alison nicht in Frage. Also muss der perplexe Ben ihr beistehen. Doch der Verantwortung gewachsen scheinen beide nicht.

Fraglos macht der Film Spaß, was neben Hauptdarsteller Rogen seiner durchgeknallten Wohngemeinschaft zu verdanken ist. Da wird wortreich oft derb vom Leder gezogen, der in US-Komödien so gern bediente Fäkalhumor bleibt aber auf die erfrischenden Dialoge beschränkt. Auch Paul Rudd („Clueless“) als Debbies genervter Ehegatte trägt mit seinem Charme zum Gelingen des Zusammenspiels bei. „Beim ersten Mal“ könnte so zur nicht eben innovativen, dafür aber denkwürdigen Kalauerkanonade werden. Wenn, ja wenn nicht diese erzkonservative Moralvorstellung wie ein Damoklesschwert über dem gesamten Film hinge.

Sie hinterlässt diesen bitteren Beigeschmack typisch amerikanischer Prüderie. Nach dem Schwangerschaftsschock und dem Zusammenraufen der ungewollten Eltern folgt die Romanze, der Konflikt, die Trennung und pünktlich zur Geburt die Läuterung mit abschließender Versöhnung. Der Grundstock ist bei aller Sympathie, bei aller wohl durchdachten Platzierung der Pointen absolut bieder. Den Unterhaltungswert schmälert das kaum. Aber die Anbiederungsmentalität an ein möglichst breit gefächertes Publikum raubt Apatow die Möglichkeit, aus den vorgezeichneten Bahnen konventioneller Komödienkost auszubrechen. Eine muntere Burleske, die sich im Kern einfach zu ernst nimmt.

Wertung: (6 / 10)

scroll to top