Behind the Mask (USA 2006)

behind-the-maskDie Anatomie des Slasherfilms

Das Dasein eines manischen Serienkillers erfordert harte Arbeit. Körperliches Training, Observation potenzieller Opfer, Vorbereitung der Tatorte. Nichts darf dem Zufall überlassen werden. Wer hat sich nicht schon einmal gefragt, womit die Jasons und Freddys eigentlich ihre Tage füllen. Was tut ein übernatürlicher Kinomörder nach dem Aufstehen? Was isst er zum Frühstück? Und wo besorgt er sich sein Handwerkszeug? Auf solche Fragen antworten will Scott Glosserman, der sich in seinem Regiedebüt „Behind the Mask: The Rise of Leslie Vernon“ um ironische Aufklärungsarbeit bemüht.

Journalistin Taylor (Angela Goethals, „Spurwechsel“) und ihre Crew begleiten Leslie (Nathan Baesel, „Invasion“) mit der Kamera durch den Alltag. Er will der lokalen Legende um den gewaltsam von einem tobenden Mob in den Tod getriebenen Namensvetter Leslie Vernon auf die Sprünge helfen. Die Vorbilder sind Michael Myers, Freddy Krueger und Jason Voorhees. Akribisch bereitet Leslie ein Blutbad im leer stehenden wie gleichsam abseitig gelegenen Haus der Vernons vor. Wie in jedem Jahr sollen sich dort am Todestag des Alter Egos Jugendliche zum Feiern einfinden. Ein passendes Primärziel hat er auch schon im Auge, die junge Kellnerin Kelly (Kate Lang Johnson, „Echoboom“).

Glosserman nähert sich dem Genre auf einer Metaebene, die die filmischen Realitäten der großen – und namentlich gleich zu Beginn angeführten – Idole als die eigene Übernimmt und sie durch den dokumentarischen Charakter in die unsrige transferiert. Die „Behind the Mask“ zugrunde liegende Idee hat ihren Reiz. Fraglich bleibt, welchen Zweck der Regisseur damit eigentlich verfolgt. Das Publikum von Horrorstreifen folgt stets voyeuristischen Trieben. Ihrer Veranschaulichung kann die Intention also kaum entsprechen. Bei „Mann beißt Hund“ funktionierte die Leinwand als Spiegel medialer Perversion ausgezeichnet. Doch ging es dort um die Überbietungslogik der Fließbandware Reality TV, nicht den ähnlich in Massen produzierten Slashermovies.

Minutiös bereitet Leslie, stets von der Kamera verfolgt, sein Massaker vor. Das Domizil der Vernons wird in mühseliger Kleinarbeit präpariert, Fluchtwege versperrt, Äste angesägt, Waffen entschärft. Begleitet von einem Augenzwinkern werden die Vorgaben vom sexuellen Symbolismus bis zum rechtschaffenden Gegenpart – Robert Englund („Nightmare on Elm Street“) mit deutlichen Parallelen zu „Doctor Loomis“ Donald Pleasance – seziert und analysiert. Dieser Vorlauf aber dauert nicht nur zu lang, er wird auch durch ein in seinen Wendungen vorhersehbares Finale entkräftet, das sich blutleer und einfallslos den zuvor entlarvten Alltäglichkeiten unterwirft. Letztlich ein ungewöhnlicher Film mit großer Ambition und (zu) geringer Wirkung.

Wertung: (6 / 10)

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