Bayside – The Walking Wounded (2007, Victory Records)

baysidethewalkingwoundedBAYSIDE haben seelischen Ballast abzubauen. Der Unfalltod von Drummer John Holohan riss tiefe Wunden. Doch so wie das Leben geht auch der künstlerische Werdegang weiter. Erste Linderung verschaffte sich die Band mit ihrer Akustik-EP. Der folgt mit neuem Trommler das dritte Album „The Walking Wounded“. Und auf eine seltsame Art ist der Titel Programm. Denn obwohl sich die Platte ein wenig selbst wie ein Verletzter vorwärtsschleppt, wirkt sie doch jederzeit kathartisch. Vom selbstbetitelten Vorgänger hebt sich das neue Material dabei bereits durch gesteigerte Komplexität und stärkere Besinnung auf den Indie-Rock ab.

An Hits mangelt es darüber nicht. Nur erschließen sich diese eben nicht so unverzüglich wie etwa „Devotion and Desire“. Beständig mitreißend, bewahrt die Platte das Flair der professionellen Proberaumproduktion, hebt sich durch das Schwelgen im geduldigen atmosphärischen Aufbau aber deutlich von der Lockerheit der letzten Scheibe ab. Das zeigt auch Sänger Anthony Raneri, der weniger Emotion in seine Stimme legt. Er versetzt den Indie-Rock in eine Art Schwebezustand, der für eine gewisse Undurchschaubarkeit bürgt und punktiert den hymnischen ausbruch wagt.

Bei aller unterschwelligen Schwermut gehen es BAYSIDE verspielter an. Zum Auftakt die Tuba, im weiteren Verlauf das Glockenspiel. Dazu Melodien, die sich in herzergreifenden Rhythmen beständig übertrumpfen. Musikalisch ist „The Walking Wounded“ fraglos die beste Veröffentlichung der New Yorker. Allein die Einleitung von „They’re not Horses, They’re Unicorns“ lässt aufhorchen. Die Weiterentwicklung ist zweifelsfrei da. Auf sie stößt man, ohne lang im Verborgenen suchen zu müssen. Dass sie nicht auf Kosten der Gefälligkeit geht, verdeutlichen nachhallende Nummern wie „Duality”, „Carry On” oder „Dear Your Holiness”. Eine Platte, die berührt, ohne es zwingend darauf anzulegen. Einfach großes Kino!

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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