Bay of Blood – Im Blutrausch des Satans (I 1971)

bayofbloodIdyllisch liegt sie da, die von gekräuselten Wellen und dem Glanz der untergehenden Sonne umspielte Bucht. Im Horrorfilm aber, so viel sollte unmissverständlich klar sein, sind solch anmutige Zustände nicht von langer Dauer. Und tatsächlich, kaum sind die Einblendungen der Anfangstitel verflogen, kreist die Kamera orientierungslos in der unheimlich schattenhaften Dämmerung durchs Ufergehölz. Dunkelheit legt sich über die Szenerie und umhüllt auch das kleine Landhaus, in dem die an den Rollstuhl gefesselte Gräfin in sichtlich melancholische Gemütslage verfällt, ehe sie von ihrem Gatten skrupellos aufgeknüpft wird.

Am scheinbar perfekten Mord – der fingierte Abschiedsbrief ist bereits geschrieben und platziert – kann er sich aber nicht lange ergötzen, wird er doch von unbekannter Hand mit einem Messer gerichtet. Mit „Bay of Blood“, im Deutschen als eine von vielen Alternativen „Im Blutrausch des Satans“ benannt, nahm Giallo-Großmeister Mario Bava, der auch am Drehbuch mitschrieb und die stimmungsvolle Kameraführung besorgte, den ab den späten Siebzigern so populären Slasher vorweg. Mit Blut, Nacktheit und möglichst einfallsreichen Tötungsszenarien schuf er einen viel zitierten Thriller (man beachte bereits die Tötung des Paares beim Sex), der heute zu Recht als Klassiker gefeiert wird.

Nach den Morden beginnt die Frage der Erbschaftsfolge. Renata (Claudine Auger, „James Bond: Feuerball“), die Stieftochter der Gräfin, macht samt Begleiter Albert (Luigi Pistilli, „Zwei glorreiche Halunken“) ihre Ansprüche geltend. Doch weiß sie nichts von Simon (Claudio Camaso, „Django der Bastard“), dem unehelichen Sohn der Ermordeten. An der Bucht leben auch Entomologe Paolo (Leopoldo Trieste, „Der Name der Rose“) mit seiner Frau Anna (Laura Betti, „1900“) sowie der Architekt Frank (Chris Avram, „Ein Fressen für Django“), der das Gebiet erwerben und nach seinen Vorstellungen bebauen will.

Hinzu gesellt sich auch eine Gruppe junger Leute, die das Panorama der Naturkulisse nutzen will, um sich ausschweifend Feierlaune und Sex hinzugeben. Die nächsten Leichen lassen selbstredend nicht lange auf sich warten. Die um dies herbe Sterben – die bis heute aufrecht erhaltene Beschlagnahmung des Films in Deutschland allerdings ist kaum mehr zu rechtfertigen – platzierten Dialoge mögen dünn sein, aber der vielseitige Score Stelvio Ciprianis („Der Tod trägt schwarzes Leder“) und der wendungsreiche Plot machen jede Unstimmigkeit rasch vergessen.

Bava entwickelt das Grauen schleichend und verzichtet zugunsten einer beständigen Bedrohung auf eine allzu hohe Schlagzahl kalkulierbarer Schockeffekte. Bei der Ansteuerung der zynisch moralfreien Auflösung (inklusive garstiger Schlusspointe) überrascht das komplexe Whodunnit-Puzzle durch eine Überschneidung verschiedener perfider Pläne, die nicht zwingend Rache, sondern schlicht Habgier als Motiv ausweisen. Zynismus, schwarzer Humor und blutiges Sterben formieren sich so schlussendlich gar zum pessimistischen Gesellschaftsbildnis. Viele der späteren Standard-Slasher können da nicht mal im Ansatz mithalten!

Wertung: (7,5 / 10)

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