Batman hält die Welt in Atem (USA 1966)

batman-haelt-die-welt-in-atem„Manchmal kann man eine tödliche Bombe einfach nicht loswerden.“ – Batman

Zu Beginn der 60er-Jahre waren die Verkäufe der DC-Comic-Reihe Batman rückläufig. Die Konkurrenz aus dem Hause Marvel wurde stärker, das Fernsehen hielt Einzug in die Wohnstuben und Veränderungen am Konzept des düsteren Hauptcharakters verliehen der Figur immer groteskere Züge. Da kam Batman-Erfinder Bob Kane das Angebot des Senders ABC gerade recht, eine TV-Serie über die Abenteuer des maskierten Recken und seines treuen Sidekicks Robin produzieren zu wollen.

Bereits 1943 hüllten sich Lewis Wilson und Douglas Croft für 15 Episoden in die Umhänge von Batman und Robin, sechs Jahre später übernahmen Robert Lowery und Johnny Duncan das Zepter für weitere 15 Folgen. Die neue Serie setzte auf Adam West und Burt Ward, doch wurden erste Testvorführungen zum Fiasko und bescherten ABC die schlechtesten Zuschauerbewertungen in der Historie der TV-Anstalt. Zu Ehren einer Ausstrahlung kam „Batman“ ab dem 12. Januar 1966 aber doch noch – wenn auch nur, weil bereits so viel Geld in das Projekt investiert wurde.

Trotz der desaströsen Testscreenings avancierte die Serie zum sensationellen Hit und rettete durch die neugewonnene Popularität des Batman auch die DC-Comics vor der Einstellung. Bis zu ihrem Aus im März 1968 wurden mit West und Ward 120 Folgen gedreht und ausgestrahlt, viele davon mit wiederkehrenden Superschurken wie Pinguin oder Joker. Zwischen der ersten und zweiten Staffel wurde mit „Batman hält die Welt in Atem“ überdies ein Kinofilm inszeniert, der ursprünglich als Pilotfilm der Serie fungieren sollte.

Mit diesem Ausflug auf die Leinwand definierten die Macher den Trash auf einer maßlos überzogenen Ebene der komödiantischen Peinlichkeit neu, sind im Grunde sogar als deren moderne Urväter zu bezeichnen. Dabei hatte es bereits zuvor zahllose schräge Streifen gegeben, man bedenke nur „They Saved Hitler’s Brain“, „Santa Clause Conquers the Martians“ oder die „wegweisenden” Werke des legendären Ed Wood. Doch nimmt sich „Batman hält die Welt in Atem“ selbst nicht sonderlich ernst, was dieses urkomische wie gänzlich sinnfreie Helden-Opus bis heute zum Aushängeschild einer neuen Generation des schlechten Geschmacks macht.

Dabei müssen Batman (West) und Robin (Ward) für die Bewältigung des gigantomanischen Abenteuers ihr ganzes Geschick aufwenden, um der vereinigten Unterwelt zu trotzen. Denn der Pinguin (Burgess Meredith, „Rocky“) hat mit Joker (Cesar Romero, „Frankie und seine Spießgesellen“), Rätselknacker (Frank Gorshin, „Twelve Monkeys“) und Katzenweib (Lee Meriwether, „Namu, der Killerwal“) eine unheilige Allianz des Terrors geschlossen. Mit Hilfe des Total Dehydrators, einer brillanten Erfindung des wenig genialen Commodore Schmidlapp (Reginald Denny, „Cat Ballou“), will das machtgierige Gaunerquartett nicht weniger als die Weltherrschaft an sich reißen. Doch kann sich die Welt in brenzligen Situationen stets auf die Auffassungsgabe des dynamischen Duos verlassen.

Ohne ersichtlichen Grund jagen zwei lächerlich kostümierte Männer Verbrecher. Nicht irgendwelche Verbrecher, sondern nicht minder dämlich verkleidete Superschurken. Allerdings bleiben jene ihre Extraordinarität über weite Strecken schuldig, albern die quietschvergnügten Gauner doch stets um ein Geflecht wirrer Handlungen oder Dialoge. Im Gegensatz zum Comic und den späteren Verfilmungen Tim Burtons gibt es in diesem Batman-Universum keinen düsteren Hintergrund, geschweige denn ein Motiv der Rache. Zu finden sind zwei dezent tuntige Typen in schrägen Aufzügen und einer Fülle verrückter Erfindungen im Repertoire. Gerätschaften, von denen man nicht einmal zu Träumen gewagt hätte.

Eines der absoluten Highlights ist Batmans urkomischer Versuch, sich am Hafen einer todbringenden Bombe zu entledigen. Bedauerlicherweise stehen ihm dabei eine Blaskapelle, eine Frau mit Kinderwagen und bedenklich viele andere lebendige Ziele im Wege. Auch die legendären, in eingefügten Sprechblasen platzierten Comicgeräusche kommen während der finalen Prügelei zum Einsatz – inklusive des obligatorischen Zwoosch, Zack und Peng!

„Batman hält die Welt in Atem“ ist mehr Superhelden-Parodie denn der ernstgemeinte Versuch der Comicvorlage gerecht zu werden. Doch gerade aus diesem Grund waren und sind Serie und Film ein empfindlicher Schlag ins Gesicht zahlloser Fans des gezeichneten Originals. Nicht zuletzt, da die clowneske Darstellung die Figuren zu lachhaften Helden-Karikaturen degradiert und die Vorlage zur infantilen Inhaltslosigkeit stereotypisiert. Doch dessen ungeachtet macht der turbulente wie naive Unfug auch nach fast vierzig Jahren noch einen Heidenspaß und bürgt für 100 Minuten puren Irrsinn.

Erhabene Zitate und starke Töne:

Batman (zu Robin): „Gib mir den Anti-Haifisch-Bat-Spray.”

Chief Gordon (eines von Riddlers Rätseln vorlesend): „Was wiegt 180 Gramm, sitzt auf einem Baum und ist sehr gefährlich?”
Robin: „Ein Spatz, der eine Pistole trägt.”
Chief Gordon: „Ja, das stimmt.”

Chief Gordon: „Pinguin, Joker, Rätselknacker und nun auch noch das Katzenweib. Die Summe der Winkel dieses fürchterlichen Rechtecks gibt uns Anlass zu den tollsten Befürchtungen.”

Batman: „Dies hier ist eine verruchte Gegend. Es wimmelt hier von Säufern. Die sind es gewohnt seltsame Gestalten zu sehen, die sie ihrem Delirium zuschreiben.”
Robin: „Tja, Saufen muss eine üble Sache sein, nicht? Ich wäre lieber tot, als dass ich meinen Augen nicht mehr trauen kann.”
Batman: „Richtig.”
(später)
Batman: „Es mögen vielleicht Trinker sein, Robin, aber es sind auch menschliche Wesen.”

Batman (zu Robin): „Dieses mag dir eine unvergessliche Lehre sein, dass es tödliche Gefahren birgt, an den Gesetzen der Mutter Natur zu rütteln.”

Riddler (zum Joker): „Den Batman zu überlisten ist mein höchstes Entzücken, mein Glück, mein Himmel auf Erden, mein himmlisches wahres Paradies.”

Als Batman und Robin mit dem Bat-Kopter abstürzen, dämpft ein Haufen Schaumstoff beim Kongress der Schaumstoff-Großhändler ihren Aufprall.
Batman: „Ich glaube der Wahrscheinlichkeitsgrad, das es gut gehen würde, hätte selbst den gerissensten Spieler abgeschreckt. Es geht doch nichts über chemische Erfindungen, die unser Leben verlängern helfen.”

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

scroll to top