Batman Forever (USA/GB 1995)

batman-foreverWas ein Filmstudio im Laufe einer Filmreihe alles so falsch machen kann, zeigte sich ganz deutlich beim Studioriesen Warner und dessen „Batman“-Reihe. Nach zwei Teilen wollte (oder durfte) Virtuose Tim Burton für den kommenden dritten nicht mehr Platz auf dem Regiestuhl nehmen. Seine ersten beiden „Batman“-Filme waren düstere kleine Schätze, die zwar damals schon leuchteten, doch erst so richtig, als Joel Schumacher den Platz von Burton einnahm und die beiden kommenden „Batman“-Boliden so richtig vor eine quietschbunt überdrehte Wand donnerte.

Gotham City kommt mal wieder nicht zur Ruhe, denn der Obergangster Two-Face (Tommy Lee Jones) terrorisiert die Stadt. Sein oberstes Ziel ist natürlich der Beschützer von Gothan City, Batman (Val Kilmer). Dieser kann den neuesten Coup des Mannes mit der gespaltenen Persönlichkeit zwar vereiteln und dadurch in den Blickfang der Psychologin Chase Meridian (Nicole Kidman) gelangen, doch neues Unheil bricht über den maskierten Rächer herbei. Ein neuer Schurke wird unfreiwillig durch ihn gezüchtet, in Form des Mitarbeiters seiner Firma, Edward Nygma (Jim Carrey), der seinen Job bei Wayne Inc. verliert und fortan als sogenannter Riddler sein Unwesen treibt. In gemeinsamer Sache wollen Two-Face und der Riddler Batman loswerden, dieser bekommt jedoch Hilfe von Robin (Chris O´Donnell), der seine Eltern durch die beiden Kriminellen verlor und nichts mehr herbei sehnt als Rache.

Willkommen im Reich von Joel Schumacher, vergesst bitte alles bisher gesehene. So gut und vor allem düster die ersten beiden Teile mit dem maskierten Rächer und einem überzeugenden wie tiefgründigen Michael Keaton auch waren, mit Joel Schumacher holte sich Warner das Verderben ins Haus. Im Grunde wurde alles anders und vor allem auch schlechter gemacht. Michael Keaton wurde durch Val Kilmer („Heat“) ersetzt, der nicht mehr als einen unterdurchschnittlichen Batman mit Hang zur unfreiwilligen Komik gibt. Die Kostüme wurden modisch aufgepeppt und bekamen eine „erotische“ Generalüberholung, zudem erhielt Batman in Form von Robin, alias Chris O`Donnell („Vertical Limit“), einen kleinen Helfer. Dieser entpuppte sich dann auch als das vielleicht größte Ärgernis, denn einen derart nervigen Zeitgenossen hat man wohl selten im Kino der 90er betrachten dürfen.

An den Superschurken gibt es bei der Wahl der Schauspieler zumindest nichts auszusetzen, denn für den Riddler hätte man wohl niemand besseren als den völlig überdrehten Jim Carrey („Die Maske“) bekommen können. Dieser ist dann auch fast als Highlight in einem ansonsten belanglos bemühten Ensemble zu bezeichnen, bei dem insgesamt die Charakterzeichnung nur noch an der Oberfläche stattfand und vor allem die innere Zerrissenheit des Bruce Wayne völlig vernachlässigt wurde. Stattdessen werfen die Protagonisten lieber gewollt mit coolen oder lustigen Einzeilern um sich, die jedoch inmitten der neuen Glitzerwelt von Gotham City rasch verpuffen. Tommy Lee Jones („Auf der Flucht“) ist als Two-Face ein genau so zweischneidiges Schwert. Meist beschränkt er sich auf debiles Gelache, so dass man seine Performance im Grunde nicht ernst nehmen kann. Doch im Doppelpack mit Jim Carrey lohnt er fast schon wieder und einige Kritikpunkte können wohlwollend übersehen werden. Nicole Kidman hat den Karriereturbo erst nach diesem Film gezündet, hier agiert sie als schmuckes Beiwerk einer überaus teuren Torte. Nicht mehr und nicht weniger.

Mit „Batman Forever“ mutierte Gotham City danke tatkräftiger Innovationen seitens Mr. Schumacher zu einer Art Las Vegas, in dem es an jeder Ecke nur so leuchtete, stets in grellen Farben natürlich. So ist der Film dann auch nichts anderes als eine bunte Kindertüte, bei der die kunterbunten Verpackungen allerdings schon oben heraus quellen. „Batman Forever“ ist allerdings nur der zweitschlechteste „Batman“-Film, denn den endgültigen Absturz gab es weitere zwei Jahre später, als man sogar George Clooney ins schwarze Outfit presste und Schumacher den Geist der Reihe endgültig mit seinem kreativen Urin besudelte.

Wertung: 4 out of 10 stars (4 / 10)

Ähnliche Beiträge

  • Heatseeker (USA 1995)

    „You’re just a fucking tin man.“ – Harte Worte vor dem Bionic-Duell In den Neunzigern brachte Schund-Regisseur Albert Pyun („Mean Guns”) ausgerechnet im Überangebot der Martial-Arts-B-Filme brauchbares zustande: Neben „Kickboxer 2“ vermochte er auch mit „Heatseeker“ moderaten Eindruck zu schinden, brachte nach eigener Vorlage aber ausgerechnet wieder die Cyborgs ins Spiel. Die Kämpfer in der…

  • Needle (AUS 2010)

    Mystery-Morde aus der Kiste: Zwei Jahre nach dem Ableben seines Vaters bekommt Ben Rutherford (Michael Dorman, „Daybreakers“) vom Familienanwalt eine merkwürdige Schatulle überreicht. Allem Anschein nach stammt diese aus der Periode des Fin de siècle und scheint zudem auch sehr wertvoll zu sein. Denn es dauert nicht lange und ein erster Interessent erklärt sich zum…

  • Klimt (GB/F/D/A 2006)

    „Klimt“ ist Kino der Enttäuschung. Raoul Ruiz Werk über den österreichischen Maler (1862-1918) will mehr sein als die in Hollywood zur Mode gewordenen Filmbiographien. Der Autor und Regisseur („Tot unter Lebenden“) verzichtet auf eine lineare Schilderung entscheidender Lebensabschnitte. Eine klar strukturierte Erzählung gibt es nicht. Ruiz springt in den Zeiten, würfelt Figuren durcheinander und lässt…

  • Demolition Man (USA 1993)

    „Send one maniac to get one!“ – John Spartan Zu Beginn der Neunziger versuchte Sylvester Stallone („Rambo”) sein Rollenspektrum zu erweitern. Weg vom reaktionären Ballerhansel, hin zum durchaus familienfreundlichen Unterhalter mit Komikerqualitäten. Doch sind „Oscar – Vom Regen in die Traufe“ (1991) und „Stop! Oder meine Mami schießt“ (1992) als misslungene Versuche der Stallone´schen Horizonterweiterung…

  • Stolen Lives – Tödliche Augenblicke (USA 2009)

    Zwei Väter, zwei Zeitebenen, ein Schicksal. In „Stolen Lives“ versucht Regie-Neuling Anders Anderson die Verzweiflung über den Verlust eines Kindes begreifbar zu machen. Am Anfang steht Polizist Tom Adkins („Mad Men“-Star Jon Hamm). Vor acht Jahren verschwand sein Sohn spurlos. Nur kurz ließ er den Jungen aus den Augen. Schuldgefühle nagen an ihm und drohen…

  • Nichts als die Wahrheit (USA 2008)

    Demokratische Freiheit hat ihre Grenzen. Aufgezeigt werden sie von der Staatsmacht, vor der Grundrechte und Verfassung nur so lange gelten, wie es nicht um Fragen der nationalen Sicherheit geht. Eben dies thematisiert Rod Lurie („The Champ“) im überraschend sachlich formulierten Justiz-Thriller „Nichts als die Wahrheit“. Denn als die engagierte Journalistin Rachel Armstrong (Kate Beckinsale, „Pearl…