Bank Job (GB 2008)

bank-jobIrgendwann waren die Swinging Sixties vorbei und auch London kam in den 70ern an. Der damit einhergehende Zeitwandel bedeutete zugleich eine Veränderung der Gesellschaft. Diese spielt in Roger Donaldsons „Bank Job“ eine gewichtige Rolle, beruht der Heist-Thriller doch auf wahren Begebenheiten, deren Skandal jedoch nie das Licht der Öffentlichkeit erblickte. Das Jahr ist 1971 und die Stadt an der Themse ein Schmelztiegel aus Verbrechervisagen, militanten Bürgerrechtsrevoluzzern und korrupten Cops. In dieser moralischen Aufwühlung zieht eine Bande von Kleinganoven den wohl spektakulärsten Raubzug der jüngeren englischen Geschichte durch. Mit weitreichenden Folgen.

Vom britischen Geheimdienst unter Druck gesetzt, heuert Martine Love (Saffron Burrows, „Gangster No. 1“) ihren alten Freund Terry (Jason Statham, „Crank“) für einen Bruch in der Lloyds Bank an. Gemeinsam mit einer Handvoll Komplizen tüfteln sie einen kühnen Plan aus, der nur in ihrem Wissen dem Zweck dient, eine im Tresorraum eingelagerte Fotoserie zu erbeuten, die ein Mitglied der royalen Familie beim Seitensprung in der Karibik zeigt. Dies pikante Bildmaterial nutzt Black Power-Aktivist Michael Abdul Malik alias Michael X, um sich und seine kriminellen Machenschaften vor der Staatsgewalt zu schützen.

„Thirteen Days“-Regisseur Donaldson drängt das Londoner Stadtbild in seiner rasanten Räuberpistole an den Rand. Bald 40 Jahre nach dem realen Tathergang hat sich auch Englands Kapitale verändert. Die Außenaufnahmen beschränken sich auf klassische Backsteingassen, die der Illusion der Zeitreise nicht den glaubhaften Eindruck verwehren. Auch mit Blick auf die Gewalt, der sich Pornoproduzent und Unterweltgröße Lew Vogel (David Suchet, „Foolproof“) bedient, um an ein in rotes Leder gebundenes Buch zu kommen, das, ebenfalls Teil der Beute, haarklein die von ihm gezahlten Schmiergelder an die Polizei dokumentiert.

Terry und seine Mitstreiter sind Amateure, blutige Anfänger, deren naive Kühnheit sie ans Ziel führt. Das hat Esprit, Witz und bleibt dennoch auf den groben Kern fokussiert, der in Hälfte zwei den Krimi anheizt, die Spannung steigert und mit direkter Härte die Konsequenzen des Bruchs zeigt. Da wird gefoltert und gemordet, einmal gar ins bereits ausgehobene Grab hinein. Die Nerven liegen an allen Fronten blank. Cool bleibt nur der alternde Lord Mountbatten, der die Affäre beenden soll und in seinem kurzen Auftreten voll professioneller Gelassenheit all die auf der Strecke bleibenden Amateure überstrahlt. Stark gespielt, temporeich erzählt und indeed very british. Eine erstklassige Gangster-Geschichte.

Wertung: (7,5 / 10)

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