Badland (USA/D 2007)

badland-2007Dass der zweite Einsatz am Persischen Golf das US-amerikanische Bild nachhaltig beeinflussen würde, war im Grunde offensichtlich. In erster Linie natürlich politisch, innen wie außen. Stimmungen im Lande werden aber auch in Hollywood verarbeitet. Im Gegensatz zu früheren Zeiten versucht die Traumfabrik einen verlorenen Krieg aber wenigstens nicht im Kino zu gewinnen, vom „Kampf gegen den Terror“ ist schon lange nicht mehr die Rede, das eigene Antlitz ohnehin zu schwer beschädigt. Leidtragende in diesem Konflikt sind in erster Linie in der Zivilbevölkerung zu finden, natürlich aber auch in den Reihen der Soldaten. Den psychisch angeschlagenen Veteranen des Krieges, geplagt von Zweifeln, Alpträumen und Ängsten widmet sich Regisseur Francesco Lucente, dem allerdings der wesentliche Aspekt seines Films „Badland” gerne mal entgleitet.

Als Mitglied einer Spezialeinheit kämpfte Jerry (Jamie Draven) an vorderster Front, zu seinen Aufgaben gehörten auch die dreckigsten Jobs. Wegen einem dieser Aufträge wurde er unehrenhaft aus der Armee entlassen und fristet sein Leben nun als Angestellter einer kleinen Tankstelle. Gehasst und genötigt von seinem Chef, hat es Jerry auch im heimatlichen Trailer nicht einfach. Seine hochschwangere Frau Nora (Vinessa Shaw) beschimpft den traumatisierten Mann, wo sie nur kann, bis dieser schließlich ausrastet. Er erschießt seine Frau und seine beiden kleinen Söhne, bevor er auch seiner Tochter Celina (Grace Fulton) eine Kugel in den Kopf jagen kann, stockt er. Er nimmt sie mit und flüchtet. Nach Tagen der Flucht landen sie in einem kleinen Ort, wo Jerry im Imbiss der freundlichen Oli (Chandra West) Arbeit findet. Alles scheint sich zu normalisieren, doch seine Handlungen holen ihn auch dort zwangsläufig wieder ein.

Ein Fürsprecher für den Irak-Krieg ist „Badland“ nicht. Die heimkehrenden Soldaten sind Schatten ihrer selbst, gebrochene Männer mit Ängsten, geplagt von Schuldgefühlen und Depressionen. Der Weg in die Normalität ist schwer, im Falle von Jerry – gut gespielt von Jamie Draven („Billy Elliot“) – trotz aller Bemühungen schier ausweglos. Diese unterkühlte Darstellung gelingt Regisseur Francesco Lucente anfangs sehr gut, die Verlagerung des Geschehens in die Einöde unterstreicht diese Trostlosigkeit. Ist der anfängliche Gewaltausbruch als Kurzschlussreaktion vielleicht noch zu verstehen, verliert das Handeln von Jamie Draven im Laufe des Films aber immer mehr an Glaubwürdigkeit. Gerade wenn er in einem ebenfalls traumatisierten Cop einen Freund findet und sich hier ein im Grunde nicht vorhandener Konflikt später unnötig hochschaukelt, wirkt seine Figur zu überzogen. Zudem wirkt auch die allzu freundliche und offene Art von Chandra West („Chuck and Larry“) zu aufgesetzt, als dass man ihr Tun und Handeln nachempfinden könnte.

Ein weiterer großer Schwachpunkt ist die Länge des Films, der auf über zweieinhalb Stunden unnötig in die Länge gezogen wird und man für die letzte Stunde ordentlich Sitzfleisch benötigt. In seiner Bebilderung kann „Badland“ aber wieder überzeugen. Matte Farben und trostlose, teilweise verlassene Gebiete untermalen die negative Grundstimmung des Films. Dass dieser mancherorts aber einfach zu unausgegoren wirkt, beweist auch der Grund für die traumatischen Erlebnisse des Hauptdarstellers, wo ein Bogen zum My Lai-Massaker des Vietnam-Krieges gespannt wird. Denn auch ohne ein solches Erlebnis könnte man die seelischen Furchen der Hauptfigur nachvollziehen. Die Schwächen des Films sind offensichtlich, seine Wirkung verfehlt das überlange Drama aber dennoch nicht. Dafür sorgt unter anderem das doch etwas überraschende Ende.

Wertung: (6 / 10)

scroll to top