Bad Country (USA 2014)

„Cops got rules, criminals don‘t.“ – Polizeilicher Regelbefolger: Bud Carter

Sie stehen auf verschiedenen Seiten des Gesetzes und verfolgen doch dasselbe Ziel: den Sturz eines mächtigen Verbrechersyndikats. Dabei könnten die Motive von Polizist Bud Carter (Willem Dafoe, „John Wick“) und Auftragsmörder Jesse Weiland (Matt Dillon, „Wayward Pines“) kaum unterschiedlicher sein. Stein des Anstoßes ist die Festnahme eines Juwelenhehlers durch Undercover-Cop (und Off-Erzähler) Bud. Dass der während des Einsatzes als Staatsdiener enttarnt wird, weil sein Gesicht zufällig in einem Fernsehbericht auftaucht, schafft wenig Vertrauen in das Drehbuch von Jonathan Hirschbein („Vendetta Rider“). Doch „Bad Country“ bleibt ein grundlegend entdeckungswürdiger Film. Wenn auch keiner, der auf den Spuren von Scorsese und Co. Begeisterungsstürme entfachen könnte.

Als Bud den Gefassten im Verhör in die Mangel nimmt, spuckt der Jesses Namen aus. Bei der Durchsuchung seines Hauses stoßen die Ermittler auf Nazi-Devotionalien, Drogen und Waffen; genug, um ihn dauerhaft aus dem Verkehr zu ziehen. Nur bleibt Jesse im Angesicht der erdrückenden Beweislast erstaunlich gelassen. Für Bud kann das nur Rückendeckung durch einflussreiche Hintermänner bedeuten. Um an die heranzukommen, müsste der Einbrecher und Mörder zum Zeugen werden. Das gelingt, als dessen mitinhaftierter Bruder (Christopher Denham, „Manhattan“) vorzeitig stirbt und die schwangere Frau (Amy Smart, „Crank“) Besuch von finsteren Gestalten erhält. Um seine Familie zu schützen, erklärt sich Jesse bereit, als Maulwurf Beweise gegen die Organisation von Lutin Adams (Dafoes „Platoon“-Gegenspieler Tom Berenger) zu sammeln.

Das klassische Gut-Böse-Schema hat auch in Chris Brinkers (Produzent von „Der blutige Pfad Gottes“) solidem, 1983 angesiedeltem Thriller-Drama ausgedient. Festmachen lässt sich das an Matt Dillons rassistischem Unmenschen, dessen Verfehlungen jedoch auf Andeutungen beschränkt bleiben, damit der Zuschauer Anteil an seinem Schicksal nehmen kann. Das wirkt nicht zwingend clever, rechtfertigt aber die aufkeimende Verbundenheit zwischen ihm und Bud. Woher dessen Loyalität gegenüber Jesse rührt, kann das Skript nicht eindeutig beantworten. Es passiert einfach. Im Heroic Bloodshed, dem Hongkong-Actionkino der 80er und 90er, hätte der Plot neben Werken wie „The Killer“ zweifelsfrei seinen Platz gefunden. Action jedoch steht hier nicht im Vordergrund. Gerade darum wirken die dosiert eingebrachten (und wenig herausragenden) Schusswechsel wie der selbstzweckhafte Versuch, konventionellen Unterhaltungsmustern gerecht werden zu wollen.

Dass der Film trotzdem funktioniert, ist vorrangig den Darstellern zu verdanken. Bereits der gewohnt ausdrucksstarke Willem Dafoe erweist sich dabei als die halbe Miete. Ergänzt wird der Cast u. a. von Neal McDonough („Mob City“), der als Lutins rechte Hand zur Abwechslung mal ein Weichei mimen darf, Chris Marquette („Infestation“) als unerfahrener Bundesbeamter und Bill Duke („Predator“) als Staatsanwalt. Dass Lutin hinter die Ermittlungen (und den Verrat) gegen ihn kommt, liegt an der Kooperation mit dem Polit-Lobbyisten Morris (Kevin Chapman, „Person of Interest“). Fortan gilt es, das Leck in den eigenen Reihen ausfindig zu machen und unliebsame zeugen zu liquidieren – darunter auch Bud. Obwohl damit gewaltreiche Problemlösung in den Vordergrund rückt, bleibt das Tempo zurückgenommen. Das gefällt, auch weil die schnörkellose Inszenierung auf das Wesentliche beschränkt bleibt. Den Muff des Altbekannten wird „Bad Country“ trotzdem nicht los. Denn gesehen hat man alles schon häufig – und nicht selten einfach besser.

Wertung: (6 / 10)

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