Backcountry – Gnadenlose Wildnis (CAN 2015)

backcountry-gnadenlose-wildnis„You know we’d be lucky to see anything bigger than a chipmunk, right?“ – Alex

Der Survival-Thriller bedient sich gern der Gefahr durch Wildtiere, ohne diese zwingend in den Mittelpunkt zu rücken. Im Ausgeliefertsein des Menschen sind sie eine Facette, die im Kampf gegen die Elemente für ein wenig Dynamik sorgt. Ausnahmen sind Beiträge wie „The Grey“, „The Reef“ oder jüngst „Backcountry“. Auch bei ihnen steht zunächst das Stranden in der Wildnis oder auf dem Meer voran, ehe das natürliche Übergewicht durch diese oder jene angriffslustige Spezies Gestalt erhält. Autor und Regisseur Adam MacDonald beruft sich bei seiner Variante auf wahre Begebenheiten. Was zunächst inflationär erscheint, erhält durch das Spiel der unverbrauchten Darsteller Gewicht. Denn ein solches Schicksal wünscht man wahrlich niemandem.

Alex (Jeff Roop) und Freundin Jenn (Missy Peregrym, „Rookie Blue“) brechen – begleitet von einleitend abgehackten Momentaufnahmen im Stil eines privaten Urlaubsvideos – zu einem romantischen Wochenende in einem (fiktiven) Nationalpark auf. An einem idyllisch gelegenen See plant er ihr einen Heiratsantrag zu machen. Doch es kommt anders. Denn der selbsternannte Naturbursche wähnt sich ortskenntlich genug, um auf Wanderkarte und Mobiltelefon verzichten zu können. Jenn ist dabei nicht geheuer. Dem Betrachter, bedingt durch Details in Ton und Bild, ebenfalls nicht. Verstärkt wird das Gefühl der Unsicherheit durch die frühe Begegnung mit dem mysteriösen Brad (Eric Balfour, „Haven“). Der gibt sich als Fremdenführer aus und provoziert Alex beim gemeinsamen Abendessen im Freien wiederholt.

Mit dieser Episode schindet MacDonald zweifelsfrei Zeit, schürt aber auch ein grundlegendes Unbehagen. Für Alex und Jenn geht es tags darauf allein weiter. Abseits der gekennzeichneten Wege muss er jedoch bald gestehen, dass sie sich hoffnungslos verlaufen haben. Schnell liegen die Nerven blank und der vorangehende Fund eines gerissenen Rehs lässt bereits erahnen, dass im von ihnen beschrittenen Teil der bewaldeten Wildnis eine unberechenbare Gefahr lauert. Als zur Filmmitte ein ausgewachsener Schwarzbär seine Nase gegen die Zeltwand drückt, gibt der Tier-Horror fortan die Richtung vor. Blutige und insbesondere vordergründige Effekte bleiben dennoch rar gesät.

Erst kommt Alex bei einem Missgeschick ein Zehennagel abhanden, bevor der aggressive Bär schließlich auf schmerzhafte Tuchfühlung mit den versprengten Wanderern geht. Mit der ersten Attacke setzt MacDonald ein intensives Ausrufezeichen. Das Wirken des pelzigen Räubers vollzieht sich realistisch und hinterlässt ob der schieren Wucht des natürlichen Übergewichts ein flaues Magengefühl. Gedreht wurde mit einem echten Bären – und einem Prankenimitat. Der Rest ist Verzweiflung, Wut sowie die Zerrissenheit von Körper und Geist. Maßstäbe setzt der Film nicht. Aber er erzeugt mit simplen Mitteln beachtliche Wirkung. Seinen Beitrag leistet auch die Einbindung der Naturkulisse. Die kommt ohne Postkartenkitsch aus und zeigt die Wildnis als gnadenlosen Raum, in dem der Mensch ausnahmsweise nicht die überlegene Spezies ist. Die Lust am Campen kann einem da glatt vergehen.

Wertung: (7 / 10)

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