Avatar – Aufbruch nach Pandora (USA 2009)

avatarpandoraEs zeugt von einer gewissen Ironie, dass sich der teuerste Film aller Zeiten als Plädoyer für die Erhaltung des Ursprünglichen aufspielt. Rund 300 Millionen US-Dollar soll das Fantasy-Epos „Avatar“ verschlungen haben, an dessen Ausarbeitung „Titanic“-Regisseur James Cameron mehr als zehn Jahre tüftelte. Für die revolutionäre Tricktechnik wurden eigens neuartige Kamerasysteme entwickelt, die das auch in 3D zu bewundernde Spektakel zu einer visuellen Sensation machen. Der Aufbruch in ein neues Zeitalter ist also durchaus wörtlich zu nehmen. Nur steht dem optischen Übermorgen das inhaltliche Vorgestern gegenüber.

Das auch von Cameron erdachte Skript bedient sich der bewährten Mär vom edlen Wilden und fährt zwischen Karl May-Verklärung, „Pocahontas“ und „Der Smaragdwald“ eine schier endlose Folge abgedroschener Klischees auf. Der Mensch, dem im mittleren 22. Jahrhundert die irdischen Rohstoffe ausgegangen sind, erschließt den an Ressourcen reichen Planeten Pandora. Die Ureinwohner, die blauhäutigen drei Meter großen Na‘vi, leben in Eintracht mit der Natur und begegnen anderen Lebensformen mit Respekt. Konflikte mit den rücksichtslosen Besatzern scheinen unvermeidlich.

Als Botschafter schickt Wissenschaftlerin Augustine (ein Hauch von charakterlicher Ambivalenz: „Alien“-Star Sigourney Weaver) gezüchtete, vom menschlichen Geist gesteuerte Na’vi-Körper aus. Einen davon bemannt der querschnittsgelähmte Soldat Jake Sully (Sam Worthington, „Terminator – Die Erlösung“), der kurzfristig den verstorbenen Zwillingsbruder ersetzt. Entgegen aller Skepsis gewinnt er das Vertrauen von Häuptlingstochter Neytiri (Zoe Saldana, „Star Trek“) und wird in die Gebräuche ihres Stammes eingeführt. Seine Mission gilt jedoch nicht der Völkerverständigung, sondern der Vorbereitung einer Umsiedlung.

Das Naturvolk und ihr Obdach bietender Mammutbaum stehen dem Abbau eines gewaltigen Vorkommens wertvoller Bodenschätze im Wege. Der vernarbte militärische Befehlshaber Quaritch (Stephen Lang, „Public Enemies“) hält eine diplomatische Lösung nicht als erstrebenswert und mobilisiert die Truppen. Jake aber hat sich in Neytiri verliebt und steht den Na’vi bei der Verteidigung ihres Lebensraumes zur Seite. Mit Fingerzeigen Richtung Vietnam und Irak deutet Cameron eine politische Dimension an, die neben kitschigem Kleister und kriegerischer Klimax nur eine Randnotiz bleibt.

Im Bemühen, die Formelhaftigkeit des Plots mit spektakulären Visionen einer fremdartig fluoreszierenden Welt zu relativieren, fährt der Filmemacher schier atemberaubende Bilder von fabelhafter Artenvielfalt und schwebenden Bergen auf. So großspurig und beeindruckend die digitalen Tricks erscheinen, so flach und vorhersehbar entspinnt sich die Geschichte. Natürlich bleibt das Spektakel der Attraktionskette des Blockbuster-Kinos unterworfen. Mehr Geschick als den maßlosen Griff in den Ethno-Schmalztopf hätte dem Publikum aber durchaus zugemutet werden dürfen. Obwohl in großstädtischen Fußgängerzonen Panflöte spielende Blauhäute wohl auch zu viel des Guten gewesen wären.

Wertung: (6 / 10)

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