autumn kids. – Seasons (2019, DIY)

Man kann es gar nicht oft genug betonen: Die DIY-Szene ist ein Füllhorn vielversprechender, nicht selten hochkarätiger Bands, die ihrer Kreativität mit Leidenschaft und unbändiger Energie Luft verschaffen. Was diese beflissenen, bisweilen getriebenen Individuen in Eigenregie auf die Beine stellen, fordert nicht allein gesteigerten Respekt ein, sondern bedient Independent-Subkultur in ihrer reinsten Form. Dass dabei längst nicht alle Combos mit einem ausgereift professionellen Klangbild aufwarten, mindert den Reiz keineswegs. Im Gegenteil. Dennoch erscheint oftmals erstaunlich, welch soundtechnische Güte die musikalischen Selbermacher hervorbringen.

Das trifft grundlegend auch auf AUTUMN KIDS. und ihre zweite, sechs Songs starke EP „Seasons“ zu. Der Fünfer aus dem bayerischen Lichtenfels fusioniert modernen Hardcore mit melodisch ausladenden Ausflügen gen Post-Hardcore und punktierten metallischen Farbtupfern. Getragen wird dieser stimmungsvoll präsentierte Wechselbalg nicht allein durch die Instrumente, sondern auch die Stimme von Shouter Davis, der bei aller aufgestauten Wut eine gute Portion Verzweiflung in die Vocals einbringt. Das führt gleich beim Opener „Winter (I’m Leaving)“ zu ersten Aha-Momenten – spätestens mit Einsetzen der „I wish you’d say goodbye“-Chöre im Schlussdrittel. Auf dieser Basis kann eigentlich nichts schiefgehen.

Das Nebeneinander von sphärischen Melodien (siehe das melancholisch reduzierte „Wewerehidingundermyblanketjusttoforgetourdemons“) und stampfenden Ausbrüchen führt auch in der Folge zu (überwiegend) freudvollen Gesichtern. Allerdings offenbart die Folgenummer „Uncertainty“, neben der erwähnten Stärke von AUTUMN  KIDS., die Schwäche von „Seasons“: Das Geschrei drängt phasenweise zu sehr in den Vordergrund, was der feinen Instrumentierung ein Stück ihrer Wirkung nimmt. Dass dies Jammern auf erfreulich hohem Niveau erfolgt, belegen – neben dem emotional ausgefeilten finalen Höhepunkt „Drowning“ – insbesondere das von Marki (WAVES LIKE WALLS) stimmlich unterstützte „Autumn (I’m Coming Home)“ sowie das mit Gast-Schreihals Hannes (EMPTY HANDED) veredelte „Ghost of Youth“. Ungeachtet kleinerer Abstriche bleibt damit eine verdammt starke Scheibe!  

Wertung: 7.5 out of 10 stars (7,5 / 10)

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