August Burns Red – Found in Far Away Places (2015, Fearless Records)

august-burns-red-found-in-far-away-placesDass der Metal-Hardcore seinen Zenit überschritten hat, sollte eigentlich keinen Grundstoff mehr für Diskussionen liefern. Während sich das Genre über viele solide und noch mehr belanglose Beiträge über Wasser hält, sorgen Bands wie AUGUST BURNS RED dafür, dass der Glaube an die Fortschrittlichkeit des tosend brachialen Stilmixes erhalten bleibt. Das ändert sich auch auf ihrem siebten Langspieler „Found in Far Away Places“ nicht. Allerdings sorgt der Entwicklungsdrang der Mannen aus Pennsylvania diesmal für eine partielle Unwucht.

Das Niveau, insbesondere im technischen Bereich, ist ungebrochen hoch, wenn unerbittliches Geschrei auf komplex angehauchte Strukturierung mit wütenden Blast-Attacken und noch ausgefeilteren melodischen Metal-Parts trifft. Das wäre grundlegend bereits abwechslungsreich genug, wird sporadisch jedoch durch folkloristisch geprägte Zwischenpassagen ergänzt. Die sorgen durch Cowboy-Gitarre oder Polka-Geige für ambitioniert wie gleichermaßen gewöhnungsbedürftig wirkende Erholungsphasen – verpassen ohnehin starken Beiträgen wie „Martyrs“ oder „Separating the Sea“ aber einen noch unvorhersehbareren Anstrich.

In der Summe muss damit abermals der Hut vor AUGUST BURNS RED gezogen werden. Denn die Vielzahl großartiger Momente beeindruckt, wobei sich die Einflechtung epischer Gitarrenläufe oder brachialer Chöre (trefflich verknüpft bei „Majoring in the Minors“ oder „Blackwood“) verblüffend reibungsfrei vollzieht. Das Tempo wird mit atmosphärischem Gespür fortlaufend variiert und findet in „Ghosts“ (einschließlich Klargesangspassage) oder dem abschließenden „Vanguard“ Anlehnung an den Post-Metal. „Found in Far Away Places“ ist eine filigrane Wundertüte, die einem tatsächlich den Glauben an den Metal-Hardcore zurückgeben kann. Allein diese Leistung kann der christlichen Band gar nicht hoch genug angerechnet werden.

Wertung: (8 / 10)

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