Auf Herz und Nieren (D 2001)

auf-herz-und-nierenWas wurde der ehemalige Taxifahrer Thomas Jahn doch für sein clever abgekupfertes Regiedebüt „Knockin’ On Heavens Door” (1997) von Kritik und Publikum gleichermaßen überschwänglichen Lobes bedacht. Wunderkind munkelten die einen, große Hoffnung des deutschen Kinos die anderen. Und was hat all das genutzt? Überhaupt nichts. Denn allein Jahns zweite Filmarbeit „Kai Rabe gegen die Vatikankiller” wurde trotz des für bundesdeutsche Verhältnisse gewaltigen Werberummels beinahe einhellig verrissen und stank mit nur 55.000 Zuschauern zudem gnadenlos an den Kinokassen ab.

Mit „Auf Herz und Nieren” wagte Jahn im letzten Jahr einen kinematographischen Neuanfang und legte prompt die nächste künstlerische wie finanzielle Bauchlandung hin. So verpuffte das filmische Strohfeuer des einst gefeierten Filmemachers letztlich in einer Wolke aus blankem Unvermögen und purer Überschätzung. Die Fallobst gleichenden Früchte seines letzten Flops gibt es nun auf Video und DVD zu bewundern. Darin stecken die vier Jugendfreunde Rico (Steffen Wink, „Kai Rabe gegen die Vatikankiller”), Dave (Nils-Bruno Schmidt, „Schule”), Sigi (Martin Glade, „U-571″) und Glotze (Thierry van Werveke, „Der Eisbär”) nach einem geplatzten Coup in arger Bedrängnis.

Mit dem Ergebnis, dass sie Gangsterboss Banko (Hollywood-Altstar Burt Reynolds, „Die Kampfmaschine”) eine glatte Million schulden. Zeit zur Begleichung bleibt wenig und nicht weniger als die Leben der Freunde stehen auf dem Spiel. Als rettende Lösung offenbart sich das lukrative Betätigungsfeld des Organhandels. Ein potentielles Opfer zum Ausschlachten scheint in Glotzes vermeintlich alleinstehenden indischem Bekanntem (Esotherik-Troubadour Xavier Naidoo) schnell gefunden. Doch gestaltet ein plötzlich auftauchendes Foto seiner Familie das gesamte Unterfangen als moralisch schier untragbar.

Als adäquaten Ersatz gucken Rico, Dave und Sigi kurzerhand Kumpel Glotze aus, schließlich ist dieser Sportler, todsicher familienlos und obendrein verantwortlich für die missliche Situation des Gespannes. Doch als das Geschäft über die Bühne gehen und Glotzes Körper als Organbank zweckentfremdet werden soll, plagen die Freunde plötzlich Gewissensbisse. Doch der mysteriöse Doc (Udo Kier, „Blade”) pflegt Verträge strikt einzuhalten. Das führt in der Summe zu einem uninspirierten und obendrein wenig überzeugenden Wechselbalg aus 70s-Exploitation und tarantinoesker Gangsterfarce.

Nur leider mangelt es an Spannung, Humor und Sympathiewerten. Die formale Ebene des Films ist geprägt von aufgesetzten Kameraeffekten, Schnittmontagen und Zeitlupensequenzen, während der unausgegorene Handlungsablauf ständig am Rande der Lächerlichkeit rangiert. Auch die Darsteller wissen kaum zu überzeugen. Schade ist es da um die Nebenaktuere Jochen Nickel („Bang Boom Bang”), Huub Stapel („Eine Familie zum knutschen”). Mit seinem dritten Film tritt Thomas Jahn den endgültigen Beweis seines künstlerischen Scheiterns an und serviert unter tatkräftiger Unterstützung vom produzierenden Til Schweiger eine schmerzlich platte Posse. Vielleicht sollte Jahn das Standbein als Taxifahrer nicht zu weit aus den Augen verlieren.

Wertung: (3 / 10)

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