Atomik Circus (F/GB/D 2004)

atomik-circusDie Gebrüder Didier und Thierry Poiraud sind Filmemacher. Im Grunde ist das nichts außergewöhnliches, zieht es doch viele Geschwisterpaare – beispielsweise Joel und Ethan Coen („The Big Lebowski“) oder Andy und Larry Wachowski („Matrix“) – gemeinsam hinter die Kamera. Das Besondere an den Poirauds, die bislang einzig Kurzfilme realisierten, ist ihr ungezügeltes Spielfilmdebüt „Atomik Circus“. Denn mit dieser entfesselten Mixtur aus Hinterwäldler-Posse und Splatter-Groteske prädestiniert sich das Duo schon vorzeitig für höhere Aufgaben.

James Battle (Jason Flemyng, „Transporter 2 – The Mission“) ist Stuntman. Seine Liebe zur aufreizenden Concia (Vanessa Paradis, „Elisa”) ist deren Vater (Jean-Pierre Marielle, „Der Boss“) – Kneipier in der sumpfigen Einöde – ein Dorn im Auge. Er lässt James ins Gefängnis sperren und hüllt den Mantel des Schweigens über den Vorfall. Doch der Gehörnte bricht aus, um gemeinsam mit seiner Liebsten die Flucht zu wagen. Verfolgt von der Polizei muss James bald feststellen, dass sich der schleimige Stadt-Yuppie Allan („Mann beißt Hund“-Soziopath Benoît Poelvoorde) an Concia heranmacht. Überschattet wird das Liebesleid im abgewrackten Provinznest allerdings von der Vorhut einer außerirdischen Invasion.

„Atomik Circus“ ist ein exzentrisches Kleinod von konfusem Ausmaß. Die Gebrüder Poiraud bemühen sich nicht einmal im Ansatz um einen stringenten Handlungsaufbau und füttern episodischen Irrsinn mit Absurditäten in Dauerrotation. Die extraterrestrischen Aggressoren saugen ihren Opfern unverblümt die Gesichtshaut vom Schädel, während die Bauwagensiedlung in ungebremster Euphorie wegen des nahenden Talentwettbewerbs schwelgt. Deren Höhepunkt ist bereits im Vorfeld der offenkundig modellierte Hund, dem ein beherzter Kniff in sein Ekzem illustre Gesangseinlagen entlockt. Und das ist nur die Spitze des wahnwitzigen Eisbergs.

Eine Prise H.P. Lovecraft, ein Tick Stanley Kubrick und eine beidhändige Portion Álex de la Iglesia reihen „Atomik Circus“ in die Riege konventionsloser Underground-Produktionen des Schlages „Acción Mutante“ (1993) ein. So irrwitzig wie visuell fordernd rumpelt der außergewöhnliche Streifen seinem unberechenbaren Finale entgegen – eine klare Auflösung ist dabei nicht zu erwarten. Die Kamera ist verwackelt, die Montage hektisch. Technisch überzeugt der Streifen auf ganzer Linie, darstellerisch sowieso. Alles ist möglich in diesem unbekümmerten Amoklauf durch konventionelle Kinoerzeugnisse. Wer sich darauf einlassen kann, bekommt die durchgeknallteste White-Trash-Nummernrevue der letzten Jahre aufgetischt.

Wertung: (7,5 / 10)

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