Ash vs Evil Dead (Season 1) (USA 2015)

„What? You never saw a guy with a chainsaw hand before?” – Ash

Die Teufel tanzen wieder. Schuld trägt (natürlich) Anti-Held Ash Williams (Bruce Campbell, „Bubba Ho-tep“), der die Dämonen samt tief durch die Wälder fliegender Kamera mehr als 30 Jahre nach dem Low-Budget-Kultfilm „The Evil Dead“ (1981) neuerlich entfesselt. Zufällig zwar, als spontaner Scherz im Grasrausch, um einer flüchtigen weiblichen Bekanntschaft zu imponieren, doch mit weitreichenden Folgen. Denn das Böse will mehr als nur die Seelen versprengter Einzelner. Aber Weltenrettung ist für den alternden Warenhausangestellten mit doppelläufiger Flinte und am Armstumpf angeflanschter Kettensäge fast Routine. Nur ist er, bedingt durch zwei nicht minder spleenige Sidekicks, diesmal nicht allein.

Ash ist Kult, seine Rückkehr längst überfällig. Zuletzt stellte er sich den dunklen Mächten in „Armee der Finsternis“ (1993) entgegen. Seitdem hat sich viel getan. Vor allem in der Unterhaltungskultur. Insbesondere der Siegeszug von TV- und Web-Serien hat neue Möglichkeiten eröffnet, von denen nun auch Sam Raimis Splatter-Klassiker profitiert. Statt neuerlich im Kino, treibt Ash nun als Widerholungstäter auf der Mattscheibe sein Unwesen. Die Auftaktstaffel zu „Ash vs Evil Dead“ umfasst 10 Episoden, von denen das Gros über die Länge traditioneller Sitcoms verfügt. Raimi, der mit Bruder Ivan, Robert Tapert und Campbell auch produzierte, ließ es sich dabei nicht nehmen, die 40-minütige Pilotepisode selbst zu inszenieren. Und die entlockt am Ende nicht nur Ash ein anerkennendes „Groovy“.

„Shoot first, think never.“ – Ash

Die übermütige Horror-Farce zeigt den in einem Wohnwagen hausenden Exzentriker zunächst auf der Flucht vor der Verantwortung. Nachdem er erkennen muss, dass seine unbedachte Lesung aus dem Totenbuch Necronomicon neuerlich Dämonen entfesselt hat, versucht er sich aus dem Staub zu machen. Dass Ash den Kampf trotzdem wieder aufnimmt, liegt neben zunehmenden Angriffen auf sein Leben (u.a. von einer bissigen Porzellanpuppe) an Pablo (Ray Santiago, „In Time“) und Kelly (Dana DeLorenzo, „Impress Me“). Die beiden sind Kollegen des schrulligen Einzelgängers und begleiten ihn auf einer turbulenten Odyssee, die sie neben einem Besuch bei Kellys von den Toten auferstandener Mutter (Mimi Rogers, „Austin Powers“) zu Pablos Schamanen-Onkel (Hemky Madera, „Weeds“) führt, der Ash auf sein Schicksal einschwört, den Mächten der Hölle als Auserwählter die Stirn zu bieten.

Verfolgt werden sie von Polizistin Amanda Fisher (Jill Marie Jones, „Sleepy Hollow“), die ihren besessenen Partner töten musste und Ash als Drahtzieher des mysteriösen Treibens ausgemacht haben will. Damit nicht genug, heftet sich auch die undurchsichtige Ruby (Lucy Lawless, „Xena“) an seine Fersen, wobei ihr jene Hand als Wegweiser dient, die sich Ash in „Tanz der Teufel II“ (1987) selbst vom Arm häckselte. Über episodische Stationen verschlägt es die verschiedenen Protagonisten schließlich in den Wald. Denn selbstverständlich kann es für die Staffel kein anderes Ziel geben als die bewährte entlegene Waldhütte, in der sich Ashs schicksalhafte erste Konfrontation mit der teuflischen Macht des Necronomicon ereignete.

„That my friends is how we do it.” – Ash

Der bewährte Mix aus Typenkomik, (sporadischem) Nervenkitzel und Blutfontänen setzt den seit Teil zwei zunehmend ironischen Weg der Saga konsequent fort. Dabei unterstreicht B-Ikone Bruce Campbell mit slapstickhafter Übertreibung seinen Ausnahmestatus. Er ist und bleibt eben ein Wanderer zwischen den Welten des schlechten Geschmacks. Nur wirkt er in seiner Paraderolle älter, selbstbezogener und noch großmäuliger. Allein Ashs Aufreißerversuche bergen irrwitziges Fremdschämpotenzial („You know they say waitresses don’t get big tips, but that’s about to change“). Die neben ihm platzierten Charaktere können da nur abstinken. Dass Ray Santiago und Dana DeLorenzo dennoch mehr sind, als bloße Stichwortgeber, liegt neben den sympathischen Darstellerleistungen am vollen Körpereinsatz.

Denn „Ash vs Evil Dead“ nimmt wenig Rücksicht auf leibliche Versehrtheit und lässt das Kunstblut eimerweise spritzen. Das insgesamt gestiegene Toleranzmaß für Gewalt in den Unterhaltungsmedien wird süffisant ausgereizt, wenn Körper in Stücke geschnitten oder in Fetzen geschossen werden. Neben handgemachten Effekten kommen vermehrt auch CGI zum Einsatz, was den beträchtlichen Charme jedoch keineswegs trübt. Zahlreiche Anknüpfungspunkte an die Vorgänger (etwa den in Part zwei eingeführten Knochendolch, Ashs zerstückelte Freundin Linda oder den wiederum gegen ihn agierenden Doppelgänger) machen die skurrile, herrlich überzogene Rückkehr eines Klassikers – u.a. gedreht von Michael J. Bassett („Silent Hill: Revelation“) – zum Fest für Fans und Genre-Kenner.

Wertung: (8 / 10)

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