Arne Dahl (Vol. 1) (S 2011/2012)

arne-dahl-vol-1Qualitäts-Krimis aus Skandinavien sind mittlerweile Alltag in der deutschen TV-Landschaft. Nicht wenige fußen auf populären Romanreihen, so dass die Fütterung der Klientel in verschiedenen Medien funktioniert. Allerdings leitet sich daraus auch eine gewisse Erwartungshaltung ab. Wie ambivalent sind die Figuren, wie glaubhaft die über sie portraitierten Milieus? Die Adaptionen der Bücher von Arne Dahl, u.a. produziert von der schwedischen Fernsehanstalt SVT in Kooperation mit dem ZDF, sollten Freunde nordischer Thriller zufriedenstellen. Gänzlich frei von Klischees sind die Fälle allerdings nicht.

Die DVD-Box „Arne Dahl (Vol. 1)“ bietet drei Fälle auf vier Discs. Deren erster, „Misterioso“, fungiert als Wegfindung der Hauptcharaktere. Im Zentrum steht Polizist Paul Hjelm (Shanti Roney), der eine Geiselnahme in einem Arbeitsamt eigenmächtig mit der Schusswaffe beendet und dafür medial an den Pranger gestellt wird. Seine Suspendierung allerdings wird aufgehoben, als ihn Jenny Hultin (Irene Lindt) für eine Sondereinheit rekrutiert. In der finden sich fünf weitere Ermittler verschiedener Altersgruppen, sozialer Hintergründe und Spezialgebiete. In der Summe ist das „A-Team“ eine ebenso vielseitige wie effektive Einheit. Aber auch die muss erst mal zueinander finden.

„Misterioso“ dreht sich um den Zusammenhang zwischen einem Jazz-Stück und den Foltermorden eines Serienmörders, der es auf Banker und Unternehmer abgesehen hat. Der politisch brisante Fall und dessen Lösung vollziehen sich routiniert. Etwas flach wirken dagegen die Beschreibungen der privaten Hintergründe der Sonderermittler. Vor allem Hjelm, der sich vor der Gattin verschließt und während einer Dienstreise gar eine Affäre mit Kollegin und Verhörspezialistin Kerstin Holm (Marlin Arvidsson) beginnt, wirkt in seiner charakterlichen Auskleidung wie aus einem US-Standard-Format. Gleiches gilt auch für den alternden Bürohengst Viggo Norlander (Claes Ljungmark), der im Außeneinsatz unbedingt zeigen will, was in ihm steckt.

Natürlich sollten derlei Abstriche in Kauf genommen werden, wenn Figurenzeichnung und kriminalistische Arbeit in 90 Minuten abgehandelt werden müssen. Aber andere Formate haben dies überzeugender bewerkstelligt. Jedoch wird dieser Makel in den überzeugenderen anderen beiden Teilen weitgehend ausgebügelt. Vor allem der als Zweiteiler inszenierte „Falsche Opfer“ nimmt sich zwischen der Polizeiarbeit ausreichend Zeit, die Ermittler auch von ihrer menschlichen Seite zu zeigen. Wenn auch mit sehr unterschiedlicher Wirkungsweise. Dafür ist die Aufklärung des Mordes an einer Journalistin samt Tochter und Lebensgefährten in den Niederlanden überaus packend geraten.

Die Spur führt zu einer holländischen Verbrecherorganisation, die Verbindung zu einem Restaurantbetreiber in Stockholm unterhält. Der Fall wird mehr und mehr zur Familientragödie, wenn Habgier und Drogensucht weitere Bluttaten provozieren. Nebenbei gilt es für den in der Zwischenzeit zu einer anderen Einheit gewechselten Gunnar Nyberg (Magnus Samuelsson) samt Partnerin einen Ring für Kinderpornografie zu sprengen. Den Bogen zwischen den Fällen spannt dabei nicht allein Computer-Spezialist Jorge Chavez (Matias Varela), der mit Nybergs Kollegin ein Verhältnis beginnt. Letzter im Bunde des „A-Teams“ ist der freidenkende Familienmensch Aarto Söderstdt (Niklas Åkerfelt).

Im dritten Fall „Böses Blut“ bereitet den Ermittlern die Ermordung eines schwedischen Literaturkritikers in New York Kopfzerbrechen. Der mutmaßliche Täter soll sich nach FBI-Informationen auf dem Weg nach Stockholm befinden, wo es bald weitere Tote gibt. Die Spur führt zu einem Serienkiller in den USA. Doch Motiv und Hintergründe bergen ob ihrer Tragweite einige Überraschungen – und einen Gastauftritt von Bo Svenson („Kill Bill: Vol. 2“). Die Fälle bergen damit ausreichend Abwechslung und politische Brisanz, um die Arne Dahl-Verfilmungen empfehlenswert zu machen. Dass die Figuren bisweilen plastischer wirken könnten, dürfte Krimi-Fans daher nur bedingt stören.

Wertung: (7,5 / 10)

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