Arachnophobia (USA 1992)

arachnophobiaMenschen haben Angst vor Spinnen. Nicht alle Menschen, doch scheint der Ekel vor den haarigen Achtbeinern ebenso fest in der Psyche verankert, wie die selbstschützende Abneigung gegen Ratten und Schlangen. Wenn ein Film sich diese Phobie zunutze machen kann, um den Nerv eines breiten Publikums zu treffen, ist das strategisches Geschick. In einer Zeit, als auf großer Leinwand kaum mehr jemand etwas auf mörderische Tiere gab, produzierte die Disney-Tochter Hollywood Pictures ihren ersten Beitrag fürs Kino. Einen Gruselstreifen, der mit Aufwand und humorvoller Umsetzung zum Kassenschlager wurde: „Arachnophobia“.

Im Dschungel Südamerikas stirbt ein Fotograf eines plötzlichen Todes. Sein Leichnam wird in einer Kiste in die amerikanische Heimat transportiert. Doch hat sich auch die für sein Ableben verantwortliche Spinne einen Platz in dem hölzernen Behältnis gesichert. Über Umwege gelangt das Tier ins Provinzkaff Canaima, wo es rasch Nachwuchs zeugt und den Patientenkreis des frisch aufs Land gezogenen Arztes Ross Jennings (Jeff Daniels, „Speed“) dezimiert. Als Spinnenphobiker Jennings der Ursache gemeinsam mit dem Entomologen Atherton (Julian Sands, „Naked Lunch“) auf die Spur kommt, ist es fast zu spät.

Regisseur Frank Marshall („Congo“) nimmt sich Zeit und eröffnet das atmosphärisch dicht gesponnene Netz seines Films mit einem ausladenden Prolog in den Urwäldern Venezuelas. Das erzeugt die nötige Grundstimmung und erleichtert die Einführung des sympathischen Landarztes Jennings und seiner Familie. In der Folge schraubt Marshall dezent an Tempo und Spannung und steuert das mit feiner Ironie gewürzte Schauerstück einer Hollywood gemäßen Klimax entgegen. In der brilliert John Goodman („The Big Lebowski“) in einer irrwitzigen Nebenrolle als Kammerjäger.

„Arachnophobia“ wahrt den Geist der fantastischen B-Movies der fünfziger Jahre – in erster Linie „Formicula“ (1954) und „Tarantula“ (1955) – und kommt dennoch ohne mutierte Rieseninsekten aus. Vielmehr sorgt hier eine schiere Armee tödlicher Spinnen für aufgestellte Nackenhaare und Gänsehaut. Frank Marshall, der von „Indiana Jones“ (1981-2007) bis „Zurück in die Zukunft“ (1985-90) regelmäßig mit Steven Spielberg produzierte, bewies erstmals auch als Spielfilmregisseur Talent und inszenierte eine stimmungsvolle Horror-Komödie, die nicht nur erklärten Hassern der haarigen Gliederfüßer im Gedächtnis bleiben dürfte.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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