Arac Attack – Angriff der achtbeinen Monster (USA 2002)

arac-attackIn den 50er Jahren war es in Hollywood angesagt, den Ängsten vor Atomkrieg und Wissenschaftswahn in Form von B-Movies über mutierte Krabbeltiere Ausdruck zu verleihen. Geprägt wurde diese stilbildende Epoche phantasievoller Filmkunst vor allem durch Gordon Douglas „Them!” (1954) und Jack Arnolds „Tarantula” (1957), beide durch ihre unverwechselbare Schaffenskraft und den Charme ihrer damals herausragenden Tricktechnik in den Geschichtsbüchern der Filmindustrie verewigt. Die 60er brachten zwar keine Entspannung im Konflikt Ost gegen West, ließen aber allmählich die monströsen Kino-Untiere hinter sich. Erst die wilden 70er brachten eine Renaissance des animalischen Horrors, wenngleich auch nicht mehr zwingend in gewucherter, sondern eher gefräßiger Form. Als bestes und erfolgreichstes Beispiel sei an dieser Stelle lediglich Steven Spielbergs „Der weiße Hai” von 1975 vermerkt.

Von diesem Punkte an musste sich das Kino nur noch mit spärlich gesähten Hommagen der vielfältigsten Monstrositäten vergangener Zeiten begnügen, so etwa mit der erfolgreichen Disney-Produktion „Arachnophobia” (1990) oder den trashigen Vertretern der Zunft, solchen wie „Ticks” (1993) und „Anaconda” (1997). Die bis dato unerreichte Königsübung des (Post-)Genres legte im Jahre 1990 allerdings Ron Underwood mit seinem Kultfilm „Tremors – Im Land der Raketenwürmer” vor. Ein Film, dessen Klasse die Traumfabrik auf diesem Sektor seitdem schmerzlich vermissen lässt. Auch Schwaben-Spielberg Roland Emmerich („Godzilla”) hat in seiner Jugend gern mutierten Monstern beim Vertilgen lästiger Zweibeiner zugeschaut. Ein Grund mehr für den erfolgreichen Regisseur und Produzenten, mit Langzeit-Partner Dean Devlin selbst als Geldgeber für ein Retro-Projekt dieser Art zur Verfügung zu stehen.

Ort der Heimsuchung einer achtbeinigen Plage ist diesmal ein abgelegenes kleines Bergarbeiterkaff in der Wüste Nevadas. Dort landet durch die Unachtsamkeit eines Truckers ein Fass mit chemischen Abfällen im nahegelegenen Teich einer Spinnenzucht. Die dort domestizierten Arachniden wachsen schon bald darauf über sich hinaus und beginnen die possierlichen Bewohner des überschaubaren Städtchens als potentielle Futterquelle zu betrachten und als solche zu behandeln. Lediglich die Fraktion stereotyper Kinocharaktäre setzt zur Gegenwehr an, darunter der toughe weibliche Sheriff (Kari Wuhrer), deren tumber Gehilfe (Rick Overton), der intelligente klugscheißerische Sohn, die zickige Tochter (Scarlett Johannson), der fiese Bürgermeister (Leon Rippy), der Heimkehrer (David Arquette) und der Quotenschwarze (Doug E. Doug).

Langfilm-Neuling Ellory Elkayem hat mit seiner selbstironischen Reflexion klassischer Monsterstreifen einen durchaus unterhaltsamen, wenngleich auch etwas blutleeren und beizeiten arg einfallslosen Eintopf bekannter Ingredienzen zubereitet. Nach gutem Auftakt gewinnt mit wachsender Größe der haarigen Krabbler die klischeehafte Dramaturgie die Oberhand und schickt die formelhaften Figuren letztendlich durch ein Special-Effects-Gewitter, welches durch eine Fülle an Knalleffekten jede gute Idee im Keim erstickt. So tritt „Arac Attack” gerade im Schlussdrittel merklich auf der Stelle, da kann auch manch lockerer Spruch nicht über die Unausgegorenheit des ganzen hinwegtäuschen. Die Darsteller agieren so weit, wie es der eingeschränkte Horizont ihrer Rollen erlaubt, aber schauspielerische Klasse steht hier eher nicht im Vordergrund.

Hauptdarsteller David Arquette („Scream 1-3″) macht an sich eine ganz gute Figur, fällt aber wie alle Akteure gegen Ende den sehenswerten Effekten zum Opfer. Ihm zur seite stehen dabei Kari Wuhrer („Anaconda”), Leon Rippy („Stargate”), Scarlett Johannson („Ghost World”) und Doug E. Doug („Cool Runnings”), der die Nerven der Zuschauer als nervtötender Radiopirat des öfteren überstrapaziert. „Eight Legged Freaks”, so der Originaltitel des Films, ist im Gesamtbild betrachtet nett anzuschauendes Popcorn-Kino, das seine Zielgruppe allerdings vorrangig im Bereich der 12-15-jährigen anzusiedeln scheint und somit für ältere Semester weniger von Interesse sein dürfte. So zeigt sich einmal mehr, dass der ausgewogen spaßige Monsterfilm seit „Tremors” noch immer auf ebenbürtige Mitstreiter wartet.

Wertung: (6 / 10)

scroll to top