Andy Warhol’s Frankenstein (I/F/USA 1973)

warholfrankensteinDie Skandalisierung eines Klassikers: Mit „Flesh for Frankenstein“ brach Pop Art-Ikone Andy Warhol mit Mythen und Konventionen des Horror-Kinos. Obwohl er nur im Hintergrund agierte, als Produzent und Triebfeder, ist die in hiesigen Breiten als „Andy Warhol´s Frankenstein“ bekannte Extravaganz doch stets an seinen Namen gefesselt. Dabei überließ Warhol die Regie dem Factory-Weggefährten Paul Morrissey, der auch die kontroverse Trilogie „Flesh“, „Trash“ und „Heat“ gedreht hatte.

Unter ihm wurde die eigenwillige Näherung an Mary Shelleys berühmte Entgrenzung der Wissenschaft zu einem diskussionswürdigen Mosaik aus moralischer Degeneration, Sex und offen liegenden Innereien. Gedreht wurde in Rom, in englischer Sprache, mit weitgehend europäischen Darstellern. Mit herbem (aber doch charmantem) Akzent gibt Udo Kier („Suspiria“) den Baron Frankenstein, der auf seinem Schloss an der Züchtung einer serbischen Herrenrasse (!) feilt. Schließlich gehen die Serben auf die alten Griechen zurück.

Aber auch abseits der wissenschaftlichen Vision des wahnsinnigen Forschers suhlt sich der Plot in Provokation. Frankensteins Frau Katrin (Monique van Vooren, „Die Rivalin“) ist zugleich seine Schwester, die beiden Kinder entartetes Zeugnis der inzestuösen Vereinigung. Doch sie fühlt sich von ihm vernachlässigt, weshalb der potente Landknecht Nicholas (Joe Dallesandro, „Sugar Hill“) zur fleischlichen Befriedigung herangezogen wird. Der staunt nicht schlecht, als er im Heim der Frankensteins auf seinen Freund Sacha (Srdjan Zelenovic) trifft, dem in der Nacht zuvor in seinem Beisein der Kopf geraubt wurde.

Mit scharfer Klinge zur Tat schritten der adlige Irre und sein treu ergebener Gehilfe Otto (Arno Jürging, „Ein guter Hahn wird selten fett“), der dem Meister gern mit weit aufgerissenen Augen bei der (medizinischen und sexuellen) Leichenschändung zusieht. Bei einer Visite im nahen Bordell hielten sie den asketischen Sacha irrtümlich für das vor Manneskraft strotzende Wunschmaterial, das der aus verschiedenen toten Körpern bereits fertig vernähten Übermensch-Eva als Adam dienen soll. Doch Nicholas denkt nicht daran, die aristokratische Impertinenz ungeschoren davonkommen zu lassen. Dem proletarischen Aufbäumen macht das morbide Finale allerdings einen Strich durch die Rechnung.

Kunstvoll gefilmt, aber zäh erzählt und mit hölzernen Dialogen (Stichwort „Nasum“) gespickt, kann die aufbrandende Faszination dem Schundcharakter kein Gegengewicht sein. Stimmungsvollen Szenen, wie dem Abendessen mit Zombies oder der separierten, selbsttätig atmenden Lunge, steht die pornographische Ausschlachtung des Ekels (auch durch die seinerzeit gezeigte 3D-Version) gegenüber. Mit annähernd identischer Crew und Besetzung wurde, immerhin blieb das Budget nicht voll ausgeschöpft, im Anschluss gleich „Blood for Dracula“ (oder eben „Andy Warhol´s Dracula“) nachgeschoben. Das Resultat blieb ähnlich zwiespältig.

Wertung: (5 / 10)

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