Anacondas – Jagd auf die Blut-Orchidee (USA 2004)

anacondas-die-jagd-nach-der-blut-orchidee„I have seen better actings from extras in Godzilla movies!” – Futurama hat Recht

Niemand, aber auch wirklich niemand hat nach einer Fortsetzung zu Luis Llosas schön-scheußlichem B-Movie-Monster-Trash „Anaconda” verlangt. Aber seien wir ehrlich, wäre Hollywood auf die demokratische Zustimmung des Publikums angewiesen, die meisten Produktionsschmieden müssten wohl in reger Insolvenz dahinsiechen. So drückt sich der geneigte Freund hirnloser Unterhaltungsekzeme ein verträumtes Tränchen der Freude aus den verkrusteten Äuglein, während die Fraktion auf intellektuellen Filmgenuss geeichter Individuen angewidert das Weite sucht.

Lockte der strunzdumme Überraschungserfolg des amerikanischen Kinosommers ’97 das Publikum mit Namen wie Jon Voight, Ice Cube, Owen Wilson, Eric Stoltz, Danny Trejo und Jennifer Lopez noch in Scharen in die Kinos, hat Dwight H. Littles nicht minder verzichtbarer Aufguss noch weniger Namen als Ideen zu bieten. Dabei muss fairerweise darauf hingewiesen werden, dass seinerzeit weder Owen Wilson, noch Jennifer Lopez aus dem Fundus institutioneller Karriereschauwerte zu schöpfen vermochten. Was unter dem Strich blieb war neben einer frühen Darbietung von J.Los imaginären Qualitäten als Schauspielerin vor allem Jon Voights ganz und gar gruselige Performance. Die ‘Goldene Himbeere’ als miserabelster Darsteller machte dem Erzeuger von Angelina Jolie aller grantigen Kotzbrockenaffinitäten zum Trotze jedoch Kevin Costner mit „Postman” streitig. Warum also dieser ellenlange Epilog? Nun ja, mehr als verträumtes Entgleiten der im Schlummermodus verbliebenen Hirnaktivitäten fördert der verzichtbare Aufguss der generierten Killerschlangen nicht.

Wachsend im unwirtlichen Dschungel Borneos und lediglich alle sieben Jahre erblühend, lässt die Blut-Orchidee das Herz findiger Wissenschaftler einige Oktaven höher schlagen. Denn nicht weniger als die menschliche Unsterblichkeit lässt dies seltene Gewächs verheißen. Selbstredend ruft die sensationelle Entdeckung gierige Menschenkinder auf den Plan, welche schnurstracks das Pflänzchen bergen und immenses Vermögen horten wollen. Eiligst wird eine Expedition zusammengewerkelt und die Reise gen Borneo in die Wege geleitet. Doch, o Graus, die Regenzeit lässt sämtliche Flüsse über die Ufer treten und jedweden Schipper im Dunstkreis des Drehbuchs vor Mutter Naturs grausamer periodischer Regentschaft kapitulieren. Einzig der resolute wie unrasierte Kapitän Johnson (Johnny Mesner, „Tränen der Sonne”) wagt es den vorherrschenden Wetterbedingungen zu trotzen.

So darf der muskelbepackte Ex-Elitesoldat nicht nur das obligatorische Blondchen (KaDee Strickland, „Was das Herz begehrt”) durch Borneos grüne Auen schippern, sondern auch den fiesen Raffzahn (Matthew Marsden, „Shiner”), den schreckhaften Techniker (Eugene Byrd, „8 Mile”) und zwei prinzipientreue Konzernschergen (Morris Chestnut, „Halb tot” / Salli Richardson, „Biker Boyz”). Sehr zur Freude einiger riesenhafter Anacondas, die das Besiedlungsgebiet der Blut-Orchidee ausgerechnet zu ihrem Paarungsrevier erkoren haben. Himmel hilf, eine solche Menge können die Schlangen in „Anacondas” gar nicht vertilgen, wie der Zuschauer kotzen möchte. Sicher, zu erwarten war von diesem hohlen Streifen nichts, aber auch rein gar nichts. Das der versierte B-Regisseur Dwight H. Little („Halloween 4″, „Rapid Fire”) diese ohnehin niedrig gestapelte Präventionsmeinung noch um ein Vielfaches zu unterbieten weiß, verblüfft über die Dauer seines zähen Mutations-Murks indes doch.

Denn für gewöhnlich schleichen Filme dieses Kalibers ohne Aufsehen zu erregen als Verleihpremiere in die nächste Videothek und fristen ihr Dasein als fundiertes Argument für kinematographische Schwachsinnskontrolle. Doch nicht so im Falle von „Anacondas”. Das Budget, im Gegensatz zum Original um ein sattes Drittel auf 25 Millionen Dollar heruntergeschraubt, unverbrauchte Gesichter ohne Wiedererkennungswert vor die Kamera gezerrt und halbgares Polygon-Gewürm aus dem Rechner gezaubert, fertig ist die jüngste Ausgeburt des amerikanischen Sequel-Wahnsinns. Lässt man die lustlose Regie mit ihrer dilletantischen Kameraführung außer Acht, subtrahiert vom Ergebnis darstellerisches Unvermögen und Pixelquark von der Stange, so bleibt einzig Hauptakteurin KaDee Strickland übrig. Seit Maria Pitillo in Roland Emmerichs strapaziösem „Godzilla”-Remake gab es kein debileres Blondchen mehr auf großer Leinwand zu bestaunen.

Mit stets heruntergelassenem Unterkiefer und gerade mal zwei lächerlichen Gesichtsausdrücken schleicht das personifizierte Untalent durch den immergrünen Dschungel wie ein Tapir nach taglangem Brechdurchfall. Im Vergleich zu dieser künstlerischen Kastration bleiben selbst die faustgroßen Löcher im Handlungsgerippe und die Extraportion logischer Fehler verzeihlich. Im Fundus der kollektiv sinnfreien Darbietungen bleibt einzig das dressierte Äffchen des toughen Flussschiffers hervorzuheben, welches die gesamte Besetzung quasi im Bananenumdrehen an die Wand spielt. Den Skriptdoktoren von „Anacondas – Jagd auf die Blut-Orchidee” genügte es offenbar nicht, das ohnehin ausgereizte Schema des launigen Erstlings plump abzukupfern. So darf am Rande ein Krokodil erlegt werden und eine gar grässliche Spinne ihr Unwesen treiben, während die eigentlichen animalischen Gefahrenherde spärlich bis gar nicht ins rechte Licht gerückt werden.

Weder die enttäuschend geringen menschlichen Opfergaben, noch der brachial blödsinnige Showdown ringen dem Betrachter mehr als ein gequältes Lächeln ab. Denn Dwight H. Little verpasst sogar das Minimalziel unfreiwilliger Komik und offeriert vielmehr schlampig inszenierte Zelluloid- und Zeitverschwendung der ärgerlichsten Sorte. Denn ein Film, in dessen unterholzversperrter Fahrrinne annähernd die Hälfte des in Stupidität gepökelten Casts das Licht am Ende des Skripts erblicken darf, ist ein Paradebeispiel dreister Publikumsverballhornung. „Anacondas” ist 90 Minuten handzahme Langeweile und wahrlich alles andere als ein Film für die Auswertung auf großer Leinwand.

Wertung: 3 out of 10 stars (3 / 10)

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