Amok – He Was a Quiet Man (USA 2007)

amok-he-was-a-quiet-manIm nachbarschaftlichen Umfeld werden Mörder, nachdem sich aufgestauter Frust und Aggression in einer Bluttat entladen haben, gern als ruhige Zeitgenossen beschrieben. Der gewalttätige Ausbruch kommt meist unerwartet, ohne Vorzeichen oder Warnungen. Auch der unauffällige Büroangestellte Bob Maconell (endlich mal wieder in einer überzeugenden Rolle: Christian Slater, „True Romance“), der mit dem unzeitgemäßem Oberlippenbart und dem schütteren Haar geradezu verschwindend unbedeutend erscheint, will mit der Schusswaffe auf sich aufmerksam machen.

Der Abschiedsbrief ist längst geschrieben und an der Kühlschranktür so positioniert, dass er auch garantiert gefunden wird. Denn nachdem er fünf Kugeln seines Revolvers in verhasste Kollegen gepumpt hat, will er sich mit der sechsten selbst richten. Doch es kommt anders. Als er am Arbeitsplatz mal wieder mit der Entscheidung des Amoklaufs hadert, kommt ihm ein anderer Angestellter zuvor und eröffnet wahllos das Feuer. Nach kurzer Interaktion erschießt der verdutzte Bob den Nebenbuhler – und wird als Held gefeiert. Ausgerechnet er, der sich in den einsamen Mittagspausen vorgestellt hat, den Bürokomplex per Fernzündung in die Luft zu sprengen, steht plötzlich im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit.

Von einem Tag auf den anderen wird er beachtet, geschätzt und vom Chef (unterbeschäftigt: William H. Macy, „Magnolia“) sogar befördert. Langsam wagt sich Bob aus seinem Schneckenhaus und findet in der früher unnahbaren Kollegin Vanessa (stark: Elisha Cuthbert, „24“), die der Todesschütze in den Rollstuhl beförderte, gar eine Gefährtin. Doch das unverhoffte Glück ist nicht von langer Dauer. Als ihn das hierarchische Traktat und die Gleichgültigkeit seiner Mitmenschen in den alten Trott zu drängen drohen, keimt der Hang zum gewaltsamen Ausbruch erneut auf.

Die von „Constantine“-Autor Frank A. Capello geschriebene und inszenierte Satire glänzt durch schwarzen Humor und surreale Zwischentöne. Subtil hingegen geht es in „He Was a Quiet Man“, im Deutschen überflüssigerweise mit dem vorangestellten Zusatz „Amok“ versehen, selten zu. Das verdeutlicht bereits der in übernatürlichem Tempo an Bob vorbeirauschende Stadtverkehr, der ihn nur allzu deutlich aus dem normalen Leben ausschließt. An ihm verschwimmen die Grenzen zwischen Täter und Opfer, neben Mitleid ist man fast gewillt, Verständnis für ihn aufzubringen. Darin liegt die Stärke des galligen Independent-Films, der zwar das Gros der Figuren, nicht aber seine ernsthaften Hintergründe durch Klischees aufweicht.

Wertung: (7 / 10)

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