Am Tag als Bobby Ewing starb (D 2005)

am-tag-als-bobby-ewing-starb„Wir haben versprochen, dass wir einander ausreden lassen. Also, Gandhi hat gesagt…“ – Peter

1986 war ein schweres Jahr. Afrika erwartete ein Sommer voller Unruhen, die Welt fürchtete sich vor arabischem Terrorismus und Bobby Ewing starb einen nur 31 Folgen anhaltenden Tod im TV-Dauerbrenner „Dallas“. Am Tag der deutschen Erstaustrahlung jener Episode veränderte die Reaktorexplosion im ukrainischen Tschernobyl die Sicht der Menschen. Auch die der letzten Landkommune in der Wilster Marsch. Diese fiktive Bastion gemeinschaftlichen Nacktbadens und politischen Protests betrachtet Regisseur und Co-Autor Lars Jessen in seinem Debüt „Am Tag als Bobby Ewing starb“.

Der Film taucht ein in Zeit- und Szenekolorit. Bemerkenswert ist das detailfreudige Set-Design, welches die kurzzeitige Rückkehr in die Achtziger weit mehr beflügelt als die Figuren. Was im Szenenbild dokumentarisch wirkt, atmet durch die Darsteller Konvention. „Am Tag als Bobby Ewing starb“ soll unterhalten, auf Kosten der starrköpfigen Weltverbesserer amüsieren. Die Zeit ist nicht die gleiche, 20 Jahre später erlaubt es sich, die Bewegung in einem anderen Licht zu zeigen. Die Rekonstruktion des alternativen Alltags ist liebevoll, der Humor auf Seiten des Zuschauers. Wieso nicht über die Elterngeneration lachen? Auf diesem Weg ist die lakonische Tragikomödie kaum angreifbar.

Die Scheidung hat Hanne (Gabriela Maria Schmeide, „Halbe Treppe“) ruiniert. Als letzte Zuflucht bleibt das „Alternative Wohnkollektiv Regenbogen“, in das sie mit ihrem 17-jährigen Sohn Niels (Franz Dinda, „Die Wolke“) umsiedelt. Während Mutter in der Gruppe der Kernkraftgegner aufblüht, kommt es zwischen dem genervten Teenager und Vordenker Peter (Peter Lohmeyer, „Das wunder von Bern“) zu Spannungen. Regisseur Lars Jessen, Jahrgang 1969, verarbeitete im Drehbuch eigene Erfahrungen. Die kathartische Wirkung seines Erstlings sei ihm gegönnt, Erkenntnisgewinn muss dem Film dennoch abgesprochen werden.

Aus Niels Perspektive schweift der Blick umher. In Dorfrüpel Rakete (Jens Münchow, „Erbsen auf halb 6“) findet er einen Kumpel, in Bürgermeistertochter Martina (Luise Helm, „Königskinder“) seine erste Liebe. Trotz bittersüßer Zwischentöne verleitet die Geschichte mehr zum Belächeln denn Identifizieren. Aktionsmuster und ideologische Grundierung bleiben reduziert auf charakterliche Klischees. Die namhaften Schauspieler, darunter Richy Müller („Die Apothekerin“) und Nina Petri („Der alte Affe Angst“), wecken Erinnerungen, Emotionen. Einen Diskurs über Für und Wider von Protest und geistiger Auflehnung forcieren sie dabei nicht.

Aber möglicherweise ist das auch zuviel verlangt von diesem heiteren Schwank, der erst im Abspann dokumentarische Schatten eingreifender Wasserwerfer aufzeigt. Der Wiederspruch der Protagonisten liegt in der autoritären Durchführung eines antiautoritären Prinzips. Zumindest für Lars Jessen dürften die Gespenster der Vergangenheit damit besänftigt sein. Der Anspruch bleibt verhalten, was überwiegt ist Unterhaltung zwischen Grünkernbratling und Schafe scheren. Das Teufelswerk ist die Atomkraft, „Am Tag als Bobby Ewing starb“ lediglich ein Wegweiser in eine andere Richtung.

Wertung: (6 / 10)

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