Alltagsdasein – Trashgourmet (2011, Setalight)

Der deutschsprachige Punk hat es wahrlich nicht leicht. Mit dem Politischen einher gehen oftmals platte Parolen. Dabei will der moderne Hörer doch auch mal zwischen den Zeilen lesen. Sind die Texte aber zu weichgespült und nichtssagend, steht gleich der Generalverdacht der Anbiederung an den Mainstream parat. Und überhaupt der Gesang in deutscher Sprache…

Eine versöhnliche Zwischenlösung bieten ALLTAGSDASEIN aus Berlin an. Mit ihrem Albumerstling „Trashgourmet“ geben sie sich weder politisch noch weichgespült, sondern haben einen Zwischenweg erschlossen, der ihrem Namen alle Ehre macht. Sie besingen Auszüge einer Gesellschaft, die sich in sozialen Onlinenetzwerken entfremdet, der Liebe nicht mehr allzu viel abgewinnen kann und vom immer schnelleren Lebenswandel allmählich ins Abseits gedrängt wird. Potenzieller Plattheit entgeht das Trio dabei vor allem durch eine Art einseitig dialogischen Gesang, der in den leicht kreischigen und eher gesprochenen Passagen Erinnerungen an die Hauptstadtkollegen von KOTZREIZ weckt.

Mit variablem Tempo wird dazu souverän Krach geschlagen. Mit Pop haben ALLTAGSDASEIN wenig am Hut. Mit Trash allerdings auch nicht. Die melodische Komponente ihres überzeugenden Einstands weist in Richtung Post-Hardcore (wie das instrumentale „Klischee“ zeigt). Für Abwechslung ist also gesorgt. Auch die Texte gefallen. Allerdings nicht durchweg, wie das insgesamt etwas anbiedernd wirkende „Tägliche Tage“ zeigt. Als Video-Auskopplung wurde aber ohnehin „Berlin – Ich 3:0“ gewählt. Dank ansprechender Nummern wie „Ist das jetzt was Festes?“ oder „Führer, Kirche, Staat“ wird die Platte zur runden Sache – und dürfte sicher nicht allein bei Trashgourmets Anklang finden.

Wertung: (7 / 10)

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