Allein unter Nachbarn (E 2000)

allein-unter-nachbarnDer spanische Regisseur Alex de la Iglesia gilt als versierter wie umstrittener Verwirklicher makabrer und morbider Phantasien. Einst von Altmeister und Oscar-Preisträger Pedro Almodovar gefördert, kreierte de la Iglesia so unterschiedliche Filme wie die Trash-Splatter-Satire „Accion Mutante“, den Hardcore-Thriller „Perdita Durango“ oder den komödiantischen Horrorfilm „El Dia de la Bestia“. Sein neuester Streich, „Allein unter Nachbarn“, führt den eigenwilligen Filmemacher erneut auf anderes Terrain, wie gehabt aber auf alte Gewohnheiten zurück.

Julia (Carmen Maura) ist eine abgetakelte Mittvierzigerin, die für ein Maklerbüro versucht mehr schlecht als recht Wohnungen an den Mann zu bringen. Beim Nächtigen in einem dieser Objekte stößt Julia auf einen verwesten Leichnam in der Wohnung über ihr und wähnt sich schon bald als stolze wie sichere Besitzerin dessen gewaltiger Hinterlassenschaft in Höhe von 300 Millionen Peseten. Ein Problem bildet allerdings das Unterfangen, den neu erworbenen Reichtum unbeschadet aus dem Mietshaus zu schaffen. Denn auf das Ableben des alten Mannes hat die eingeschworene geldgierige Meute, die die übrigen Räumlichkeiten des Gebäudes bevölkert, nur gewartet. Ein verbissen geführter Kampf um Reichtum und pures Überleben beginnt, in dessen Verlauf schon bald die ersten Mieter auf der Strecke bleiben.

Im Stile von „Delicatessen“ oder „Serial Lover“ zelebriert Alex de la Iglesia nach eigenem Drehbuch ein schwarzhumoriges Kammerspiel, das in einer mörderischen Hatz über die Dächer Madrids gipfelt. Dabei greift der Regisseur nicht selten auf Motive des großen Suspense-Meisters Alfred Hitchcock zurück. Doch was als schwarze Charakterkomödie beginnt, artet im weiteren Verlauf der Handlung zusehends in ein bitterböses Ränkespiel um den erhofften Reichtum aus, bei dem auf Leben und Gesundheit von Freund wie Feind nichts mehr gegeben wird. Und Alex de la Iglesia wäre nicht er selbst, wenn es dabei von Zeit zu Zeit nicht wie gewohnt kompromisslos und hart zugehen würde.

„La Communidad“, so der Originaltitel, ist eine herrlich makabre Komödie mit einer Fülle an skurrilen Einfällen und kauzigen Typen. Die munter zu Werke gehende Darstellerriege, allen voran Carmen Maura („Frauen am Rande des Nervenzusammenbruchs“) weiß mit ihrem Spielwitz vollends zu überzeugen und macht den Film zu einem kurzweiligen Ausflug in die niedersten Regionen der menschlichen Seele.

Wertung: 7 out of 10 stars (7 / 10)

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