All the Boys Love Mandy Lane (USA 2006)

all-the-boys-love-mandy-laneMandy Lane ist ein fleischgewordener Teenagertraum. Ein feuchter noch dazu. Die Mädchen wollen sein wie sie, die Jungs wollen sie einfach. Vergebens. Die Schulschönheit, eine Vollwaise, die von der Tante großgezogen wurde, gibt sich unnahbar und lässt die Kerle gleich reihenweise abblitzen. Umso gespannter treibt die Pennäler die Frage, ob sie zur Party des erweiterten Bekanntenkreises in einem entlegenen Landhaus erscheint. Sie wird und bringt damit den gewohnten Kreislauf von Begierde und Enttäuschung in Gang, der sie pausenlos zu begleiten scheint.

An diesem Abend, in dieser Nacht aber ist alles anders. Während sich die Jugendlichen in den Rausch stürzen, beiläufig kontrolliert von Rancharbeiter Garth (Anson Mount, „Düstere Legenden 2“), treibt ein Mörder sein Unwesen, der die Gruppe um Mandy (Amber Heard, „Alpha Dog“) allmählich lichtet. Das Prinzip des sicheren Todes durch Sex und Drogen wird nicht ausgehebelt, partiell aber dessen Klischees überwunden. In „All the Boys Love Mandy Lane“ ist Ausschweifung Teil der jugendlichen Alltagskultur, Zeitvertreib wider der akuten Langeweile der Generation Y.

Der von Jacob Forman geschriebene und Jonathan Levine in Szene gesetzte Debüt-Thriller entspricht mehr einem desillusionierten Jugendportrait als dem Archetyp des Slasherfilms. In der Ruhe vor dem Sturm wird das Milieu der Teenies umschrieben. Da passt es, dass der umgehende Killer bereits mit dem zweiten Opfer ein Gesicht erhält. Eine Überraschung wäre die Enthüllung sowieso nicht gewesen. Warum also warten? Die Bluttaten sind eine Art Rebellion, die umgekehrten „Virgin Suicides“, bei der sich die Trost- und Hoffnungslosigkeit nicht gegen sich selbst, sondern das nähere Umfeld richtet.

Diese Neuformulierung des Genrestandards, in bester Siebziger-Manier in überbelichtete und ausgeblichene Bilder gekleidet, vergisst über die bemüht glaubhafte Figurenzeichnung die Spannung. An ihre Stelle tritt die Gewalt, die unberechenbar über die Opfer hereinbricht, jedoch nur übliche Schauwerte schafft, wenn der Gewehrlauf den Schwanz im Mund der ersten Todgeweihten ersetzt. Der finale Kniff bringt den Film noch einmal in Gang, im Abseits der reizvollen Optik aber will das alles nicht so recht zusammenpassen. Der Stil dominiert den Inhalt, das Regelwerk des Slasher-Horrors wird letztendlich nur variiert. Ambitioniert, aber längst nicht überzeugend.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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