Aktion Mutante (E 1993)

aktionmutante„…, ein buckliger Zwerg, Mörder, Kommunist, Freimaurer und vermutlich auch noch homosexuell.“ – Aus den strikt überparteilichen Abendnachrichten

Für ihren Kampf gegen Modepüppchen, Muskelprotze und Schönheitswahn geht die „Aktion Mutante“ über Leichen. Die terroristische Vereinigung besteht aus Behinderten, Freaks und Missgeburten. Von Anführer Ramón (Antonio Resines, „X – Urban Killer“) abgesehen sind die Mitglieder der Bande ausgemachte Idioten, die im repressiven System einer nicht spezifizierten Zukunft allein durch Unberechenbarkeit und Gewaltbereitschaft Schrecken verbreiten.

Nach fünf Jahren Knast wird Ramón auf freien Fuß gesetzt. Kaum entlassen, heckt er gleich die Entführung von Patricia (Frédérique Feder, „Drei Farben – Rot“) aus. Während ihrer Vermählungsparty soll die hübsche Tochter eines Vollkornbackwaren-Magnaten verschleppt werden. Zwar bringen die Revoluzzer die Braut in ihre Gewalt, schießen jedoch wahllos in die versnobte Hochzeitsgesellschaft. Nach dem Blutbad setzt sich die Gruppe in einem klapprigen Raumschiff ab, um Patricia auf einem öden Minenplaneten gegen ein hohes Lösegeld einzutauschen.

Das Kinodebüt von Álex de la Iglesia („Perdita Durango“) ist respektlos, ausgeflippt und politisch herrlich unkorrekt. Allerdings verwechselt die vom meisterhaften Autorenfilmer Pedro Almodovar („Alles über meine Mutter“) produzierte Sci-Fi-Splatter-Groteske Absurdität allzu oft mit Hysterie und zerrt die skurrilen Figuren durch eine betont trashige Mixtur aus galliger Satire und pubertärer Posse. Im Sog der Übertreibung ist erlaubt was Spaß bereitet. Die Comichaftigkeit dieses Zukunftsentwurfs allerdings wirkt schnell ermüdend.

Mit der markanten Melodie von „Mission: Impossible“ und verrückten Kostümen zieht de la Iglesia Genres und Trends durch den Kakao. Der Plot, bei dem Ramón seine Getreuen für den großen Reichtum hintergeht, verkommt zum Vorwand für immer tolldreisteren Unfug. Die Tricks und Masken sind herrlich überzogen, gemessen am geringen Budget nicht selten bemerkenswert. Nach dem großen Showdown in einer heruntergekommenen Bar ist reichlich Kunstblut vergossen und Schabernack getrieben worden. Mehr Biss und weniger Albernheit hätte aber sicher nicht geschadet.

Wertung: (5 / 10)

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