Akte X – Jenseits der Wahrheit (USA/CDN 2008)

akte-x-jenseits-der-wahrheitÜber den Kultcharakter der Serie „Akte X“ muss nicht lange diskutiert werden, auch wenn sich das Thema später – wie so häufig bei länger andauernden Serien – merklich abnutzte. Den Sprung auf die große Leinwand packte die Serie kurz vor der Jahrtausendwende dennoch. Und das Ergebnis wusste durchaus zu gefallen. Dann passierte jahrelang nichts, David Duchovny konnte jüngst als abgehalfterter Schriftsteller in der Serie „Californication“ in die Erfolgsspur zurückfinden, während man von Gillian Anderson („Der Letzte König von Schotland“) so gut wie gar nichts mitbekam. Doch plötzlich lebt der Geist der Serie wieder auf, wenngleich „Akte X – Jenseits der Wahrheit“ alte Fans der Serie gewiss nicht zufrieden stellen wird.

Eine FBI-Agentin wurde entführt, der Schlüssel zu ihrem Aufenthaltsort soll ausgerechnet ein als pädophil bekannter Geistlicher (Billy Connolly) sein, der in Visionen die Verschwundene sieht und auch schon den Aufenthaltsort eines anderen Opfers vorhersagte. Die ermittelnde Agentin Whitney (Amanda Peet) versucht über die Ärztin Scully (Gillian Anderson) Kontakt zu deren alten Partner Mulder (David Duchovny) herzustellen, der mittlerweile abseits der Zivilisation lebt. Nach zähem Ringen wirft Mulder seine Ablehnung gegenüber dem FBI über Bord und steigt in den Fall mit ein, wo er als einziges den Visionen des Paters glaubt. Von der verschwundenen Agentin fehlt dennoch weiterhin jegliche Spur und eine weitere Frau verschwindet.

Die Voraussetzungen hätten für einen zweiten Leinwandausflug von „Akte X“ nicht stimmiger sein können. Die beiden Hauptdarsteller waren mit an Bord und auch der in der Serie erfahrene Chris Carter nahm auf dem Regiestuhl platz. Aber eine wirklich packende Geschichte wird nicht erzählt, leider wesentliches Manko des Films, was auch nicht irgendwie ausgeglichen oder kompensiert werden kann. Einen mystischen Anstrich erhält der Film lediglich durch die Visionen von Billy Connolly („Der blutige Pfad Gottes“), was jedoch nur halbherzig umgesetzt wurde. Vor allem mit der späteren Auflösung sind diese im Grunde völlig unnütz geraten, wobei die Geheimnisse des Films grundsätzlich vorzeitig gelüftet werden und somit spätere Überraschungs- und Spannungsmomente fehlen.

Überzeugen kann „Akte X – Jenseits der Wahrheit“ in Punkto Erscheinungsbild und in der Figurenzeichnung der beiden Hauptprotagonisten. Jahre sind vergangen, in denen sich die Agenten Mulder und Scully weiterentwickelten. Scully arbeitet mittlerweile als Ärztin in einem katholischen Krankenhaus, wo sie allerdings mit Widerständen gegenüber ihrer Arbeit zu kämpfen hat. Mulder dagegen offenbart fast nihilistische Züge und verabscheut das System, dessen Teil er früher war. Gerade das Zusammenspiel beider und die intensiven Gefühle, die beide füreinander hegen, zeugen von der Qualität eines Kinofilms und der Klasse der Serie. Auch optisch kann der Film überzeugen, wobei die Schwächen des Drehbuchs einfach nicht so leicht kaschiert werden können.

Im Nachhinein wäre ein TV-Special sicherlich die bessere Wahl gewesen, denn für ein Kinoerlebnis seiner alten Serien-Helden ist „Akte X – Jenseits der Wahrheit“ einfach zu ideenlos geraten, was vor allem auf die Hauptgeschichte zutrifft. Da kann der kongeniale Moment von Mulder, in dem er auf das Konterfei von George W. Bush schaut und die „Akte X“-Melodie ertönt auch nicht mehr viel retten.

Wertung: 5 out of 10 stars (5 / 10)

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