Ageist – Babyface (2019, Arctic Rodeo Recordings)

Viele etablierte Künstler gelangen irgendwann an einen Punkt, wo Erfolg keine Rolle mehr spielt. Ist der Ehrgeiz nur mehr Nebensache, steht allein der Spaß im Vordergrund. Dann kümmert es auch kaum noch, dass den Namen des neuen Bandprojekts im Grunde kein Schwein kennt. Ein treffendes Beispiel sind AGEIST. Wer? Nie gehört! Stimmt. Erfährt man allerdings, welche Fachkräfte sich dahinter verbergen, ist die Neugierde geweckt.

Denn das Gespann setzt sich aus Eric Odness (PRIMITIVE WEAPONS), Frank Bevan (FREEDOM FIGHTERS), Arty Shepherd (ERRORTYPE: ELEVEN, GOD FIRES MAN) und Tucker Rule (THURSDAY) zusammen. Dass die umtriebigen Vollblut-Musiker für ihre kreative Energie ein Ventil benötigen, scheint verständlich. Mehr noch, dass sie dabei exakt den Sound kreieren, der ihnen am Herzen liegt.

Im Falle der US-Ostküstler bedeutet das einen ungezügelten Mix aus Alternative-Rock und Post-Hardcore, der den Geist klassischer 90’s-Kapellen wie QUICKSAND aufleben lässt. Der Titel ihres Debütalbums „Babyface“ ist dabei keineswegs Programm. Statt Samthaut setzt das Gespann vornehmlich auf Backsteinwand. Da ist nichts Anmutiges, nichts Filigranes, sondern ein mit Unterstützung von Produzent J Robbins (JETS TO BRAZIL, JAWBREAKER) mit großer Wucht direkt in die Visage gefeuerter Faustschlag.

Das Melodiespektrum ist reichhaltig. Dennoch bleiben geradlinige Songs wie „May 35th“ oder auch der Titeltrack die Ausnahme. AGEIST schlagen gern Umwege ein, verschlungene kreative Pfade, die ihre Musik aufgewühlt und unruhig erscheinen lassen – beinahe wie ein Fiebertraum. Packende Eindrücke sie dabei nicht allein mit „Lead Legs“, „Breathe In“, „The Pastor“ oder „USA vs USSR“. Unter dem Strich ist „Babyface“ ein herrlich anachronistisches Werk – und kommt gerade dadurch genau zur richtigen Zeit.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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