Against Me! – Shape Shift With Me (2016, Total Treble Music/Xtra Mile)

against-me-shape-shift-with-meWas soll man noch groß zu AGAINST ME! sagen? Gerade in der Zeit nach dem für sie so wichtigen letzten Album „Transgender Dysphoria Blues“ war die Band – und ganz besonders Frontfrau Laura Jane Grace bzw. ihre Geschichte – vielerorts präsent. Für den Nachfolger war die Band erstmals in voller neuer Besetzung im Studio, nachdem der Vorgänger noch mit zum Teil unterschiedlichen Musikern (u.a. Fat Mike) aufgenommen wurde. Musikalisch überrascht das Ergebnis nicht so sehr und lässt sich mit dem Vorgänger ganz gut vergleichen.

Gewohnt (punk-)rockig stampft die vierköpfige Band mit „12:03“ aus den Startlöchern, nachdem das dreckige „ProVision L-3“ den Hörer eingangs erst mal durchgerüttelt hat. „Boyfriend“ dann gibt sich zahmer, hat aber schlichtweg ausreichend Charme, um auch auf großen Bühnen zu begeistern. Gleiches gilt für die als sicher eingestuften Hits „333“ und „Haunting, Haunted, Hunts“. Wer es etwas forscher und schneller mag, setzt auf die Uptempo-Nummer „Rebecca”. In etlichen Momenten klingt „Shape Shift With Me“ nicht so wütend und roh wie der Vorgänger, geschweige denn wie ihre alten Alben. Vielmehr finden AGAINST ME! ihren Platz irgendwo in der Mitte, ohne aber den „White Crosses“-Pomp zu sehr aufleben zu lassen. Einzelne Nummern stechen aber dann doch hervor. Das von tiefen Gitarren versetzte „Dead Rats” oder das düstere, wütende „North Truth”.

Nach dem großen Coming Out geht es inhaltlich nun um Liebe und Beziehungen. Mit allem was dazu gehört. Das endet nicht immer in solch klaren Worten wie auf dem Vorgänger, doch „Shape Shift With Me“ hat auch nichts mit Schönfärberei am Hut. Es wäre jedoch auch ein Wunder, hätte Laura Jane Grace nach ihrem langen Kampf schon alles in einem Album verarbeitet bzw. gesagt. „Shape Shift With Me“ ist nicht so wuchtig wie das letzte Album, dafür aber voller melodischer Hymnen. Und genau damit macht ihnen kaum jemand etwas vor.

Wertung: (7 / 10)

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