Aderlating – Spear of Gold and Seraphim Bone Part Two (2013, Consouling Sounds Records)

aderlatingspear2Es gibt Platten, bei denen man sich unweigerlich die Frage stellt, wen die Urheber denn nun eigentlich erreichen wollen. Natürlich können Nischenklänge ungemein reizvoll anmuten. Bei den abgründigen niederländischen Soundextremisten von ADERLATING und ihrem fünften Album Spear of Gold and Seraphim Bone Part Two wirkt der Bogen allerdings bereits nach kurzer Zeit überspannt. Beim eröffnenden „Per Luciferum Dominum Nostrum“ könnte dies auditive Wabern noch als introduktierendes Experiment verstanden werden, als verstörendes Intro eines plötzlich orkanartig über den Hörer hereinbrechenden Metal-Massakers. Nur geht das Experiment in der Folge einfach weiter.

Die acht Kompilationen bedrückender Gefühlszustände – immerhin gewalzt auf rund 49 Minuten – wirken wie der tiefe Blick in den siebten Kreis der Hölle. Wie Dämonenzetern mischen sich beständiges Reißen und Rauschen mit Instrumentalfetzen und entrückten Flüster- und Grolllauten. Alles bleibt verzerrt, nebulös, ja geradezu angsterfüllt. Allein, was soll man davon halten? Die Struktur scheint willkürlich, chaotisch verklebt und schlicht ziellos. Fast schon geradlinig wirkt da der Anfang von „The Seer is Burning“. Wie der arg reduzierte Soundtrack eines avantgardistischen Horrorfilms.

Es mangelt an Greifbarkeit, die über das bloße Schockmoment des Ambient Black Metal hinausreichen würde. Als begleitender Klangteppich einer betont anstößigen Bildinstallation oder als Live-Horrortrip mit entsprechender Lichtdramaturgie kann das auf Spear of Gold and Seraphim Bone Part Two Gebotene sicher die angestrebte Wirkung entfalten. Als simpel auf Konserve gepresste Grenzerfahrung bleibt allerdings weiterhin jene einleitend formulierte Frage bestehen, wer sich das allen Ernstes anhören will? Kunstvoll ja, in dieser Form jedoch nur sehr eingeschränkt zumutbar.

Wertung: (4 / 10)

scroll to top