Achterbahn (USA 1977)

File written by Adobe Photoshop¨ 5.0Der Mann auf dem Pier führt Böses im Schilde. Um das zu merken, bedarf es nicht einmal der dramatisch aufgeheizten klassischen Musik. Als Angler getarnt observiert er einen unweit gelegenen Vergnügungspark, genauer dessen Achterbahn. Dort wird er einen Sprengsatz deponieren, der die Wagen des Fahrgeschäftes entgleisen lässt. Mehrere Menschen sterben bei dem spektakulär gefilmten Anschlag. Nach einer weiteren solch feigen Attacke wird er sich an die Betreiber der größten Freizeitstätten Amerikas richten, gewillt sich seinen Verzicht auf weitere Attentate mit 1 Million Dollar honorieren zu lassen.

Nach dem starken Auftakt zu James Goldstones („Die spur der schwarzen Bestie“) Thriller „Achterbahn“ wird mit dem aufmüpfigen Sicherheitstechniker Harry Calder (George Segal, „Wer hat Angst vor Virginia Woolf?“) der sympathisch knurrige Hauptprotagonist eingeführt. Er vermutet mehr als nur einen Unfall, schließlich hatte er die betroffene Achterbahn erst Wochen zuvor gewartet. Bei seinen Nachforschungen gerät er mitten in die Erpressung, was den intelligenten Täter (Timothy Bottoms, „Johnny zieht in den Krieg“) zu einem perfiden Spiel anspornt. Sehr zum Unwill von FBI-Ermittler Hoyt (Richard Widmark, „Das Ultimatum“) nämlich soll Calder das Geld übergeben. Natürlich in einem Freizeitpark.

Die Besonderheit dieser spannenden Mischung aus Krimi und Katastrophenszenario liegt in der Erzählung, die abseits des üppig gestaffelten Geldübergabemarathons gesteigerten Wert auf die Herausarbeitung der Charaktere legt. Das Motiv des namenlosen Erpressers bleibt bis auf die Geldgier, die einem solch klugen Kopf aber nicht einmal gut zu Gesichte steht, unklar. Dafür werden Macht- und Ränkespielchen hinter den Kulissen vertieft, wenn der Autoritäten wenig herzlich begegnende Calder in hitzigen Debatten seine meist klugen Vermutungen offenbart. So auch die, dass der Bombenleger nach der gescheiterten Zahlung die Eröffnung einer großen Achterbahn am Nationalfeiertag als nächstes Ziel ins Auge fasst.

Dem zu sarkastischer Hochform auflaufenden George Segal folgt man als Zuschauer nur zu gern durch den Genremix, der sich voll auf die Kraft der Bilder – allen voran natürlich die Fahrten der Achterbahnen – und die Kompetenz seiner Darsteller verlässt, anstatt die Geschichte mit überflüssigen Schnörkeln und Wendungen aufzuladen. Neben Altstar Henry Fonda („Meteor“) tritt auch die spätere Oscar-Preisträgerin Helen Hunt („Besser geht’s nicht“) als Calders Tochter Tracy auf. Bei aller Zurückhaltung ist das Szenario spannend genug, um über die Jagd auf den berechnenden Psychopathen nicht ins Schlingern zu geraten. Dank starker Kamera, Lalo Schifrins Kompositionen und munteren Akteuren auch heute noch großes Kino.

Wertung: (8 / 10)

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