A.C.A.B. – All Cops Are Bastards (I/F 2012)

acabDie Medaille hat bekanntlich zwei Seiten. Auch in Punkto Polizei und Gewalt könnte man Stunden, wenn nicht Tage diskutieren. Wie faszinierend, verstörend und gleichzeitig auch komplex das Thema sein kann, zeigt der italienische Film „A.C.A.B. – All Cops Are Bastards“ von Stefano Sollima. Dessen Werk zeigt jedoch nicht die Seite der „Normalbürger“, sondern rückt die Polizei in den Vordergrund und gibt ihnen mehr als nur ein brutales Gesicht. Eine Milieustudie, nur mal von der anderen Seite aus betrachtet.

Im Zentrum stehen die Bereitschaftspolizisten Cobra (Pierfrancesco Favino), Negro (Filippo Nigro), Mazinga (Marco Giallini) sowie der Jungspund Carletto (Andrea Sartoretti). Sobald es dreckig wird, werden sie von ihren Vorgesetzten an die vorderste Front geschickt. Im Kampf gegen Hooligans oder Demonstranten sind sie stets die gefühlten Verlierer. Was bleibt sind Gewalt, Blut und Frust, auch außerhalb der regelmäßigen Kampfzonen. Probleme in der Ehe, Probleme mit den Kindern oder einfach die Frage nach dem Sinn und die Trauer über verlorene Kollegen bleiben. Als einziges Ideal gilt die Bruderschaft, die Kollegen. Das Grenzen bewusst überschritten werden, gehört zum Alltag. Genau an dieser Stelle muss sich Carletto für oder gegen seine Kollegen entscheiden, die für alte Sünden bluten sollen.

Die Vorzeichen stehen nicht gut und der Ruf der Polizei ist ohnehin ramponiert. Das zeigen auch die zahlreichen, eher leisen Verweise auf die von der Polizei deutlich übertrieben geführten Aktionen im Rahmen des G8-Gipfels von Genua im Jahre 2001. Im Film waren die Hauptfiguren an diesen unrühmlichen Tagen beteiligt. Stolz sind sie darauf nicht, genauso wenig wie auf einen Großteil ihrer sonstigen Pflichten. Aber es sind eben ihre Pflichten, ungeachtet ob sie Recht oder Unrecht darin sehen. In der Gruppe sind sie genauso stark wie ihre Gegner. Zähne werden ohnehin auf beiden Seiten ausgeschlagen, nur muss sich hier Pierfrancesco Favino alias Cobra dafür verantworten. Der Film handelt von Gewalt und was diese mit Menschen anstellt. Auch mit Polizisten, die im geregelten Leben abseits ihrer Uniform kaum ein Bein auf den Boden bekommen. Was bleibt sind menschliche Abgründe, abgestumpft durch die tägliche Gewalt.

„A.C.A.B. – All Cops Are Bastards“ bietet aber keine Rechtfertigung für Polizeigewalt, sondern liefert lediglich Gründe dafür. Als Betrachter fällt es nicht schwer, den Ausführungen Pierfrancesco Favinos vor Gericht Glauben zu schenken und ihm beizupflichten. Aber es legitimiert auch nicht zu einigen Handlungen, die inmitten dieser intensiven 106 Filmminuten gezeigt werden. Sollimas Film ist ein Drama, wirkt inmitten seiner hektischen Gefechte mitunter aber auch wie ein Actionfilm, bei dem sich alle Beteiligten nichts schenken. Auf eine tiefgreifende, objektive Analyse wird dabei verzichtet. Der Regisseur setzt auch auf Schauwerte, verharmlost das Geschehen jedoch nicht. Auch wenn der Grad manchmal schmal ist. Was bleibt ist vor allem ein düsteres, zum Ende hin fast schon deprimierendes Werk.

Wertung: (8 / 10)

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