A Better Tomorrow 2K12 (ROK/HK/J/T 2010)

abettertomorrow2k12Der Begriff des ´Heroic Bloodshed´ ist eng mit John Woos Klassiker „A Better Tomorrow“ verknüpft. In ihm fand die Bezeichnung ihren Ursprung und zugleich eine Blaupause, die vor allem im Hong Kong-Kino der achtziger und neunziger Jahre Gültigkeit hatte. In Zeitlupe wurden dort Körper mit beidhändig geschwungenen Pistolen perforiert und das Kunstblut meterweit über die Leinwände verspritzt. Aber nicht allein die ballettartige Ästhetisierung der Gewalt prägte die Filme, auch ihr ausgeprägter Hang zu theatralischen Gesten und großspuriger Tragik.

Das koreanische Remake zu Woos Meilenstein macht sich von der liebenswerten poppigen Peinlichkeit frei und präsentiert sich als hochglänzendes Action-Drama mit deutlicher Betonung des Dramas. Im Mittelpunkt steht noch immer der Bruderzwist, der hier jedoch einer familiären Spaltung zwischen Nord- und Südkorea nachsteht. Bei seiner Flucht aus dem diktatorischen Norden ließ Hyeok (Jin-mo Ju, „Musa – Der Krieger“) einst die Mutter und Bruder Cheol (Kang-woo Kim, „Silmido“) im Stich. Die Schuld sitzt tief. Durch den Tod der Mutter blieb im jüngeren Cheol nur mehr Hass und Verachtung für den Blutsverwandten übrig.

Im Süden ist Hyeok zum einflussreichen Gangster aufgestiegen und hat es mit seinem draufgängerischen Partner Yeung-choon (Seung-heon Song, „So Close“) zu zweifelhaftem Ruf als Waffenschieber gebracht. Als auch Cheol die Flucht über die Grenze gelingt, begegnet er dem reuigen Bruder mit strikter Ablehnung. Bei einem Geschäft in Thailand wird dieser vom missgünstigen Tae Min (Han Sun Jo) verraten und wandert für drei Jahre ins Gefängnis. Während dieser Zeit wird Cheol zum Polizisten ausgebildet, Young-choon zum Krüppel geschossen und Tae-min zum Syndikats-Boss gemacht. Nach seiner Entlassung und Rückkehr gerät Hyeok zwischen sämtliche Fronten.

Den Segen des Meisters erhielt Regisseur Hae-sung Song durch Woo selbst, der sich als ausführender Produzent betätigte. Für sich genommen ist „A Better Tomorrow 2K12“ denn auch kein schlechter Film. Nur thront über allem das wegweisende Original, das der fraglos einwandfrei umgesetzten und überzeugend auf die koreanische Zerrissenheit übertragenen Neufassung aber in allen Belangen überlegen bleibt. Das gilt insbesondere für die Darsteller, die zwar grundlegend überzeugend agieren, jedoch nie das Gewicht von Mimen wie Ti Lung, Leslie Cheung oder Chow Yun Fat entwickeln, dessen stilbildende Coolness allein unerreicht bleibt.

Die Vorlage lebt durch die überlebensgroße pulsierende Energie, die die Protagonisten umhüllt und im infernalischen Kugelhagel stets zu verschlingen droht. Die modernisierte Version schafft mehr Realismus und lässt die dosiertere und weniger stilisiert blutige Action in zeitgenössischem Gewand, mit schnellen Schnitten und Handkamerabildern erstrahlen. Während Woo Todestanz und Tragödie aber in steter Bewegung verknüpfte, breitet Hae-sung Song den Bruderzwist deutlich zu üppig aus. Mit zwei Stunden Spielzeit ist der Film schlicht zu lang – und in der kompromisslosen Auf- und Erlösung gar unnötig melodramatisch – geraten. Themen und Wendungen sind dieselben. Allein fehlt es an Intensität. Im Guten wie im Schlechten.

Wertung: (6 / 10)

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