8 Frauen (F 2002)

8-frauenEin abgeschiedenes, obendrein eingeschneites Anwesen auf dem Land, ein ermordetes Familienoberhaupt und acht Verdächtige, die sich in giftiger Redsamkeit seelisch demontieren. Ziel ist es, den wahren Täter, der sich zweifelsfrei in ihrer Mitte befindet, zu entlarven. Dies obligatorische Krimi-Grundgerüst stand in der Vergangenheit Pate für unzählige Ermittlungen in überschaubarer Runde. Jedoch zelebrierte seit Robert Moores „Eine Leiche zum Dessert“ (1976) niemand genüßlicher und eindrucksvoller ein solches Ränkespiel als Autor und Regisseur Francois Ozon in „8 Frauen“.

Auf den ersten Blick resultiert der größte Anreiz der im Stile eines Bühnenstücks aufgezogenen Geschichte aus dem grandiosen Zusammenspiel der acht weiblichen Hauptdarstellerinnen, das eine Brücke schlägt zwischen drei Generationen vollendeter französischer Schauspielkunst. Doch bei näherer Betrachtung offenbaren sich dem Betrachter zahlreiche inszenatorische Glanzleistungen, angefangen beim Einsatz des schwelgerischen Technicolors über unzählige Portraiteinstellungen bis hin zu stimmungsvollen Musicaleinlagen.

Acht Frauen, darunter sechs mehr oder weniger Anverwandte, komplettiert durch zwei Dienstmädchen, versammeln sich in jenem abgeschiedenen Landhaus zur Weihnachtszeit, um den Mord an ihrem Familienoberhaupt aufzuklären, das mit einem Messer im Rücken im Obergeschoß des Anwesens liegt. Doch dem ersten Schrecken folgt schnell der nächste, entpuppt sich die Lage durch ein durchtrenntes Telefonkabel, ein fahruntüchtiges Auto und die Isolation des eingeschneiten Hauses als beinahe ausweglos. So verstricken sich die Damen in ein perfides Geflecht aus gegenseitigen Beschuldigungen, Machtauslotungen und Einschüchterungen, in deren Zuge mehr und mehr überraschende Wahrheiten ans Licht gezerrt werden.

Ein Motiv scheint beinahe jede der acht Verdächtigen zu haben: sei es nun Ehefrau Gaby (Catherine Deneuve, „Dancer in the dark“), die Töchter Suzon (Virginie Ledoyen, „The Beach“) und Catherine (Ludivine Sagnier, „Napoleon“), die Schwiegermutter (Danielle Darrieux, „24 Stunden im Leben einer Frau“), Pierrette, die Schwester des Toten (Fanny Ardant, „Ridicule“), die verklemmte Schwägerin Augustine (Isabelle Huppert, „Die Klavierspielerin“) oder die Dienstmädchen Chanel (Firmine Richard, „Elisa“) und Louise (Emanuelle Beard, „Eine französische Frau“).

Francois Ozons („Unter dem Sand“) köstliche Suche nach den wahren Umständen des väterlichen Ablebens, die auf einem 50er-Jahre Boulevardstück von Robert Thomas beruht, vereint acht der außergewöhnlichsten französischen Darstellerinnen in einem Film. Die Hingabe, mit der das begeisternde Ensemble zu Werke geht, scheint in jeder einzelnen Einstellung spürbar, wobei Isabelle Huppert als frigide Zicke die übrige Elite noch überragt. Zur Untermalung versprühen künstliche Farben eigentümliches Hitchcock-Flair, während der eingeschränkte Handlungsspielraum in Bühnenoptik gebettet liegt und den idealen Hintergrund für die emotionalen Traktierungen und Entblätterungen bietet.

Wie hungrige Tiere fallen die Frauen übereinander her, mit viel Selbstironie decken die geschminkten Diven nach und nach zahllose bittere Familiengeheimnisse und Intrigen auf. Natürlich alles im Dienste der Wahrheit. Die gesungenen Einlagen erscheinen dabei weder gewöhnungsbedürftig noch fehl am Platze, immerhin hat jede der Damen ihren eigenen Auftritt. Ozon ist ein wunderbarer Film gelungen, eindringlich, künstlich, komisch. „8 Frauen“ ist Kammerspiel und Krimiposse zugleich, vereint Nummernrevue und Familiendrama auf beeindruckende Weise. Der einzige männliche Darsteller, Dominique Lamure („Uneasy Riders“), wird in seinen wenigen Szenen lediglich in Rückansicht gezeigt. Ozon unterstreicht dabei das wesentliche Kernelement. Denn im Mittelpunkt stehen hier einzig die Frauen.

Wertung: 8 out of 10 stars (8 / 10)

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