29.11.2009 – Hot Water Music / Muff Potter / Strike Anywhere – Köln Essigfabrik

hot-water-music-2009Die Bilder werden sich wohl Ende November in jeder Stadt gleichen, wenn die großartigen HOT WATER MUSIC zu Gast sein werden. Eine Band zu Gast bei Freunden eben. Denn die Tour ist nicht nur gut besucht, sondern die vielleicht erfolgreichste Tour der Gainesville-Legende überhaupt. Kein Wunder also, dass auch die Essigfabrik ausverkauft war, zumindest schien es so. Geschätzte 1.000 Personen dürfte die alte Fabrikhalle also heute gesehen haben.

Dass STRIKE ANYWHERE eine fantastische Live-Band sind, steht außer Frage. Heute aber war nicht ganz ihr Tag. Wobei das weniger an ihnen, sondern vielmehr am schlechten Sound und – für Köln erstaunlich – zurückhaltenden Publikum lag. So richtig wollte der Funke (noch) nicht überspringen, auch wenn Springfloh Thomas Barnett in gewohnter Tracht (Kurze Hose, T-Shirt, Rastas) über die Bühne wirbelte, Fäuste reckte und kurzum den Sympathikus vom Dienst gab. Hits gab es wieder reichlich zu hören, aber wie gesagt, so ganz passte das am heutigen Abend nicht. Zumindest, wenn man es am Zuschauerzuspruch festmachen möchte.

MUFF POTTER sind aktuell auf Abschiedstour, denn nach mehr als fünfzehn Jahren fällt bekanntlich der Vorhang. Neueres Material sparten sich Nagel & Co. in gewohnt angenehmer Atmosphäre und Bühnendeko nicht. „Blitzkredit Bob“ und das Titelstück „Gute Aussicht“ wurden vom aktuellen Longplayer gespielt, „Steady Fremdkörper“ wird mit „Das halbvolle Glas des Kulturpessimismus“ gleich zu Beginn bedient. Ansonsten werden aber auch ein paar Hits aus alten Tagen gespielt und ein paar Fäuste gereckt. Die Resonanz ist nett, wenn auch nicht überschwänglich. Auch wenn MUFF POTTER noch mal für Zugaben auf die Bühne kommen und u.a. die „Bordsteinkantengeschichten“ mit „100 Kilo“ hervorkramen. Ein bisschen Leerlauf konnte man ihrem Auftritt aber trotzdem nicht absprechen. Auch wenn es wirklich schön war, sie vor ihrem Ende noch einmal zu sehen. Von Wehmut war aber bei ihnen keine Rede, wie Nagel ausdrücklich betonte. Gerade er schien noch mal richtig Gas geben zu wollen und genoss die knappen 55 Minuten in vollen Zügen. Mit großartigen Songs wie „Wir sitzen so vorm Molotov“, „Bis zum Mond“ oder „Alles nur geklaut“ kein Wunder, zumindest zwischenzeitlich. Ein Höhepunkt war sicherlich der gemeinsame Song mit Chuck Ragan, wobei man dort schon einen immensen Spannungsanstieg im Publikum feststellen konnte. Nun aber alles Gute für die Zukunft Jungs, genießt den „Ruhestand”.

Als dann endlich der Vierer aus Gainesville die inzwischen schmucklose und nun vielleicht auch zu große Bühne enterte, war die Vorfreude auf das Kommende in allen Gesichtern deutlich zu sehen. Und gleich ging es mit „Remedy“ furios los, zu den ersten Textzeilen „I need a remedy of diesel and dust, something I can taste with a fix I can trust…“ flogen Biere und Fäuste gleichermaßen in die Höhe, Männer lagen sich in den Armen und grölten lauthals mit. Ein unglaubliches Bild was sich in der ersten Hälfte der Halle bot. Chuck Ragan markierte wie gewohnt die Rampensau und drosch förmlich auf seine Klampfe ein, während Chris Wollard zwei Songs zum warm werden brauchte. Ab dann ging das zufriedene Grinsen nicht mehr nach Hause. Im ersten Teil folgten gleich noch die Hits „Rooftops“, „A Flight and a Crash“ und natürlich „Paper Thin“. Der großen Sause stand somit nichts mehr im Wege, die Band spielte einen Hit nach dem anderen, der Mob tobte, sang, verspritzte Bier und gab sich der Musik vollkommen hin.

Im Mittelteil wurden dann ein paar Raritäten hervorgeholt und teilweise tief in die Trickkiste gegriffen. Die Band spielte ein paar von den Titeln, die es sonst nicht immer auf die Setliste schaffen (u.a. „Alachua”, „Manual”). Aber auch dies war heute völlig egal, denn der Großteil des Publikums sang ohnehin jede Textzeile sicher mit, im Überschwang zwischen völliger Hingabe und Bierkonsum. Einige Titel blieben leider auf der Strecke („I Was On a Mountain”, „Trusty Chords”, „God Deciding”), was aber unterm Strich nach 90 Minuten nicht weiter negativ haften blieb und jeder wohl ohnehin seine eigenen Wunschvorstellungen eines HWM-Sets haben wird. Und zum Ende hin, als der Klassiker „It’s Hard to Know” mit Barnett und Nagel im Kollektiv und „No Division” – die Band musste nach dem regulären Set sogar noch zweimal auf die Bühne kommen – gespielt wurden, da durfte man ohne weiteres von lupenreinen Gänsehautmomenten sprechen. Und dann war (mal wieder) ein grandioses Konzert auch leider schon zu Ende. Betrunken vor Freude, Zufriedenheit und Alkohol setzte sich der Mob dann in Bewegung. Mit einer weiteren Bestätigung dieser Ausnahmeband im Hinterkopf. Vielen Dank dafür!

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