27.06.2025 – Good Riddance / Bad Assumption – Köln, Helios 37

Ehrenfeld bleibt stabil. Naja, zumindest soweit es die Gentrifizierung zulässt. Dafür stehen liebgewonnene Konzert-Klitschen wie der altehrwürdige Sonic Ballroom oder der Quasi-Underground-Ersatz Helios 37. Im zweitgenannten Etablissement trat mit GOOD RIDDANCE kurz nach Sommerauftakt ein Fat-Wreck-Urgestein auf. Eine neue Platte brauchten die Kalifornier auch für ihre jüngste Europa-Visite nicht als Aufhänger. Es genügte allein die Präsenz der politisch seit jeher klar positionierten Hardcore-Punks. 

Die lockten an diesem Abend geschätzt 350 Fans an. Der Club war damit gut gefüllt, aber keineswegs ausverkauft. Der erstklassigen Stimmung bescherte das selbstverständlich keinen Abbruch. Ihren Anteil daran hatten auch BAD ASSUMPTION aus Münster, eine kleine Band mit großem Bühnenbanner, die einen energetischen Stilmix aus Post- und Metal-Hardcore sowie Alternative bot. Das Besondere: Beim Trio wird auf allen Positionen gesungen. Während am Schlagzeug bevorzugt gebrüllt wird, sorgen Bassistin und Gitarrist für melodische Stimmkontraste. 

Neben eigenen Songs gab es auch den RAGE AGAINST THE MACHINE-Klassiker „Killing in the Name“ auf die Ohren. Das erschien durchaus gewagt, gerade aufgrund der im Vergleich zum Original reduzierten Bandbesetzung. Aber das Ergebnis sorgte im Publikum doch für anerkennende Anteilnahme. Unter dem Strich ein selbstbewusster Auftritt einer jungen Combo, deren Qualität bestimmt zu weiteren Auftrittsmöglichkeiten in der Republik führen dürfte. In diesem Sinne: Bis zum nächsten Mal. 

GOOD RIDDANCE ließen sich im Anschluss nicht lange bitten (was zeitlich 20:30 Uhr bedeutete!) und holten unter lautstarkem Begrüßungsjubel zu einem einstündigen Feuerwerk mit Hits aus allen Schaffensphasen aus; u. a. wurden „Think of Me“, „Salt“, „Don’t Have Time“, „Shadows of Defeat“, „Weight of the World“, „Edmund Pettus Bridge“, „Mother Superior“, „Darkest Days“, „A Credit to His Gender“, „Heresy, Hyprocisy, and Revenge“, „One For the Braves“, „Holding On“, „Disputatio“ und „Yesterday’s Headlines“ geboten. 

Ein wenig überraschend schien der Mangel an Botschaften zwischen den Songs. Bereits der Auftritt von PENNYWISE in der Live Music Hall zeigte unlängst, dass der US-Punk seine Haltung in der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump eher über die Texte transportiert. Da waren BAD ASSUMPTION mit ihrer deutlichen Ablehnung des noch frischen Kanzlers Friedrich Merz doch ein gutes Stück lauter.

Dafür gaben sich GOOD RIDDANCE publikumsnah. Vor allem Bassist Chuck suchte die Nähe zum Pulk und holte gar einen Zuschauer auf die Bühne, der am Rand des Raumes offensichtlich zu entspannt im kalten Sog der Klimaanlage stand. Natürlich reichte der einstündige Auftritt nicht aus, um allen Hits gerecht zu werden. Aber in den vorderen Reihen herrschte beständiger Pogo-Alarm und die Spielfreude des Headliners wirkte rundheraus ansteckend. Da störte auch nicht weiter, dass die Sause schon gegen halb zehn vorüber war.

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