24.04.11 – Monster Bash 2011 u.a. mit NOFX, Descendents – Berlin Columbiahalle/C-Club

monsterbash2011Wenn man schon nicht zum Groezrock reisen kann, dann soll das Groezrock gefälligst zu einem selbst kommen! Es genügen ja schon prominente Auszüge. Dachten sich offenbar auch die Organisatoren des frischen Indoor-Festivals Monster Bash und verpflichteten gleich eine ganze Reihe wohlklingender Namen aus dem Line Up des belgischen Open Air-Hits für einen Abstecher in die bundesdeutsche Hauptstadt. Und weil die Resonanzen offenbar überwältigend waren, wurde eben gleich noch eine zweite Bühne mit Leben (also Bands) gefüllt. Als Austragungsort drängten sich die Columbiahalle und der benachbarte C-Club geradezu auf. Mit geöffnetem Zwischenhof (inklusive Half Pipe und diverser Stände) sowie regem Durchgang zu beiden Bühnen wurden in der Vergangenheit ja schon positive Erfahrungen gesammelt.

Und so kam es, dass am Ostersonntag geschätzte 4.000 Fans lauter Musik zusammentrafen und sich von 17 Bands gehörig auf die Ohren geben ließen. Noch nicht so recht am nachmittäglichen Beginn, wo die Hauptbühne von mittelprächtigen bis verzichtbaren Darbietungen zwischen Indie-Rock, Post-Hardcore und Pop-Punk – namentlich VEARA, THE BLACKOUT und CUTE IS WHAT WE AIM FOR – erfüllt wurde. Die zweitgenannten Waliser kamen mit ihrem von zwei Sängern vorgetragenen Screamo-Rock noch am besten weg und schafften es sogar dem überschaubaren Pulk ein paar respektable Reaktionen abzutrotzen. Kaum anders, nur eben für melodischen Punk, verhielt es sich auf der kleinen Stage mit den heimischen Vertretern FINDUS und 3 CHORD SOCIETY.

War der Sound bei von FINDUS noch ohrenbetäubend lärmend bis zur Schmerzgrenze, sorgte bei 3 CHORD SOCIETY eher der beliebige Aufguss bekannter Ami-Standarten für ein immerhin kurzweiliges Achselzucken. Zwischen den beiden allerdings sorgten SMALL TOWN RIOT für ein erstes Ausrufezeichen. Die Hamburger hatten nicht bloß den Sound auf ihrer Seite, sondern dank des einnehmend treibenden Street-Punk schnell auch das Publikum. Der mehrstimmige Gesang, sympathisches Auftreten und Hits wie „Suicidal Lifestyle“ oder „Radio“ mehrten die Feierlaune doch enorm. Tatsächlich sollte fortan vieles besser werden. Naja, bis auf den Raumklang.

Vor allem in der großen Halle blieb der Sound über die volle Distanz unbefriedigend und schallte seltsam dumpf aus den Boxen. Die Stimmung nahm zwar kontinuierlich zu, aber selbst die Headliner vermochten nicht in erwarteter (oder gewohnter) Manier mitzureißen. Bei SAVES THE DAY und THURSDAY hatte das allerdings andere Gründe. Beide Bands sind verdiente Vertreter ihrer Zunft und locken in der Hauptsache ein erwachsenes Publikum. SAVES THE DAY, Repräsentanten des Indie-Rock für die GET UP KIDS-Generation, sind frisch wiedervereint und zeigten sich durchaus wieder hungrig für das Leben auf Tour. Allerdings klang Sänger Chris Conley wie Kermit der Frosch, was selbst Nummern wie dem schmissigen Schmachtfetzen „Freakish“ schnell den Reiz raubte.

Dem durchaus anspruchsvollen Post-Hardcore von THURSDAY halfen hingegen auch diesmal Klassiker wie „Understanding in a Car Crash“ wenig. Sie sind live einfach langweilig und transferieren die Atmosphäre ihrer Alben viel zu selten auch auf die Bühne. Weitaus weniger Probleme hatten damit OLD MAN MARKLEY, RADIO HAVANA und die BOTTROPS, die im Club bis zum frühen Abend weit mehr Stimmung einkehren ließen, als es in der Halle bis dahin der Fall gewesen wäre. OLD MAN MARKLEY, der neunköpfige (!) Fat Wreck-Neuzugang bot quasi-exotisches Kontrastprogramm und gab mit Geige, Banjo und Waschbrett Hillbilly-Folk/Bluegrass mit hoher Spielfreude und exzellentem Klang zum Besten.

Der deutschsprachige Punk von RADIO HAVANA machte gewohnt Laune, während die BOTTROPS im Anschluss einmal mehr ihre ganze Routine ausspielten und selbst den TERRORGRUPPE-Hit „Stay Away From the Good Guys“ ins Programm aufnahmen. Nebenan bereiteten sich inzwischen der Schweden-Core-Klassiker MILLENCOLIN darauf vor, sein 2000er-Erfolgsalbum „Pennybridge Pioneers“ in vollem Umfang darzubieten. Warum sie stattdessen nicht einfach eine überschaubare Auswahl und zusätzlich ein paar ihrer wirklich alten Hits (zum versöhnlichen Abschuss ertönte immerhin „Mr. Clean“) auftischten, wird das Geheimnis der ebenfalls merklich durch den Sound ausgebremsten Dauersympathen bleiben. Wirklich ärgerlich war nur, dass der Vierer überzog und somit den eigentlich nahtlos abgestimmten Zeitplan zu unerwünschten Überschneidungen zwang.

Im Detail bedeutete das die gehörige zeitliche Überlappung der DESCENDENTS und TEENAGE BOTTLEROCKET. Die anfängliche Verärgerung wich zum Auftakt des Punk-Evergreens um Frontmann Milo (die Buddy Holly-Brille wird einfach nie alt!) aber rasch Ernüchterung. Denn vor allem die DESCENDENTS kamen aufgrund des drucklos bescheidenen Klangbildes kaum über eine solide Vorstellung hinaus. Klassiker wie „Coolidge“ oder „Hope“ sorgten zwar für Begeisterung, neben dem Sound hielt aber auch das Set im ersten Drittel nicht was der Bandname versprach. Dass TEENAGE BOTTLEROCKET auf den schmaleren Brettern des Clubs daher die bessere Wahl waren, sahen zu Beginn nur wenige Zuschauer so. Rasch aber wurde es rappelvoll und der nachhaltige Höhepunkt des Abends konnte standesgemäß abgefeiert werden!

Das US-Trio spielt Pop-Punk ´n Roll im Geiste von Bands wie THE MR. T EXPERIENCE, was überschaubare Akkorde und hohes Tempo garantiert. Der zweistimmige Gesang wirkte zwar arg verrauscht, das immense Hitpotential von Nummern wie „Skate or Die“, „Radio“ oder „In the Basement“ blieb aber unverkennbar. In der ihnen zur Verfügung stehenden halben Stunde zockte sich das Trio in atemberaubendem Tempo durch gefühlte 20 Tracks und sorgte nicht allein bei der textsicheren Anhängerschaft für erhabene Momente. Die durfte man auch von NOFX erwarten, denen glatt 100 Minuten Spielzeit gewährt wurden, die vermutlich aufgrund der Strapazen des Groezrock aber kaum mehr als eine unterhaltsame Routineshow boten.

Die üblichen Flachwitz-Ansagen blieben Mangelware, der Raumklang… ach lassen wir das. NOFX sind schließlich NOFX. In dieser Form sieht man sie zwar eher selten, Beiträge wie „Seeing Double at the Triple Rock“, „Murder the Government“, „Stickin’ in My Eye“ oder „Linoleum“ sorgten aber wie gehabt für Ausgelassenheit. Dass sich beim Umfang der Show zudem manch verzichtbare Nummer einschlich, schien auch absehbar. Es fehlte ein wenig der Spielwitz, abgefeiert wurden die Kalifornier aber dennoch standesgemäß. Nicht unerwähnt bleiben sollen abschließend noch die RADIO DEAD ONES, die zwischen den BOTTROPS und TEENAGE BOTTLEROCKET im Club auftraten, sowie die noch nach NOFX die kleine Bühne bespielenden JINGO DE LUNCH. Deren Auftritte wären sicher sehenswert gewesen, doch gingen sie dem Verfasser dieser Zeilen schlicht durch die Lappen.

Was also bleibt übrig von der Erstausgabe des Monster Bash? Manch großer Name wurde dem eigenen Nachhall nicht zwingend gerecht, aber den meisten Bands (die in der Halle spielenden plus OLD MAN MARKLEY und TEENAGE BOTTLEROCKET) steckte schließlich auch das Groezrock inklusive eiliger Anreise nach Berlin in den Knochen. Akustisch war es, wie bereits erschöpfend ausgeführt, ein eher bescheidenes Spektakel, zwingend unzufrieden schienen die sich verausgabenden Massen jedoch nicht zu sein. So kam irgendwie jeder auf seine Kosten, ob vor den Bühnen oder draußen in der Ostersonne. Ein Tag für die Geschichtsbücher war es sicher nicht. Aber den hatte wohl auch niemand ernsthaft erwartet. Für einen fairen Ticketpreis wurde einiges geboten und der rege Zuspruch dürfte einer Wiederholung im nächsten Jahr wohl kaum im Wege stehen.

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