21.07.2009 – Propagandhi / Steakknife – Berlin, SO 36

Kann man über die sympathischen Vorzeige-Punks von PROPAGANDHI überhaupt negative Worte verlieren? Der Wandel von einer eher typischen Fat-Wreck-Band zur unverkennbaren kritisch-politischen Instanz, die textlichen und musikalischen Anspruch ohne polemische Simplifizierung zu vermengen versteht, stellte sich erstaunlich rasch ein. Spätestens ab dem dritten Album „Today’s Empires, Tomorrow’s Ashes“ konnte von archetypischem Punk-Rock keine Rede mehr sein. Die Kanadier öffneten sich (endgültig) dem Hardcore, verweigerten sich gängigen Songstrukturen und erreichten über die melodisch ausgefeilten Nachfolger „Potemkin City Limits“ und jüngst „Supporting Caste“ eine komplexe Erhabenheit, die in diesem Metier außerordentlich selten ist.

Der heiße Scheiß waren und sind die mittlerweile vier Musiker aber immer noch vor allem für die Generation der Twentysomethings, die mit ihnen (auf)wuchsen und denen egal ist, dass der Zugang mehr und mehr von kalkulierter Eingängigkeit abdriftete. Dass die heutzutage beinahe regelmäßigen Konzerte der Band denn auch fast ausschließlich von einem „reiferen“ Publikum besucht werden, mag da nicht wirklich überraschen. Gerade auf der Bühne sind PROPAGANDHI eine sichere Bank, technisch versiert und stets spielfreudig. Kritische Töne aber sollen bei aller (verdienten) Lobhudelei erlaubt sein. Denn der Auftritt im Berliner SO 36 wurde ihrem Ausnahmestatus nicht vollends gerecht.

Zuvor aber traten zwei Combos als Anheizer in Erscheinung, deren erste ob des frühen Beginns nur bedingt wahrgenommen – und vom Autor gleich komplett verpasst – wurde. Einschätzungen über Auftritt und Resonanz der Offenbacher GO RAMPAGE müssen darum entfallen. Doch auch STEAKKNIFE, der alteingesessene Punk-Express mit Ex-SPERMBIRDS-Sänger Lee Hollis am Mikro, beging sein Tagewerk überraschend früh. Nach gut 20 Jahren, vier Platten und einigen Umbesetzungen klingen die Saarbrückener so rotzig wie eh und je. Der Show an diesem Abend mangelte es nicht an Hits (u.a. „It’s My Life“, „My Dad´s a Cop“), wohl aber am letzten Funken Begeisterungsfähigkeit. Nett war’s, wenn auch nicht mehr.

Gleiches durfte letztlich auch von PROPAGANDHI behauptet werden, deren wuchtig verspielte Gitarrenparts der „Supporting Caste“-Beiträge (neben dem Titeltrack u.a. „Night Letters“ und „Dear Coach’s Corner“) in der anfangs matschigen Akustik untergingen. Das Set bestand erwartungsgemäß zu einem Gutteil aus Nummern der letzten beiden Scheiben, wobei klassische Hits wie „Anti-Manifesto“, „Back to the Motor League“, „…Nation States…“, „Haillie Sallasse…“ oder auch das selten live gespielte „The Only Good Fascist is a Very Dead Fascist“ für Begeisterung unter den etwa 450 Zuschauern sorgten. Die feierten ihre mitunter infantil witzelnden Helden im Sog sichtlicher Bewegungsfreude gebührend ab. Dass dies nicht ihr bester Auftritt war, ist darum nicht einmal zwingend negativ zu werten.

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