20 Liter Yoghurt – L’art d’oublier (2017, DIY)

„Everyone has the chance to make this world a better place and everyone should see it as a duty to try. Raise your voice against the backward-thinking. Against racism, sexism, homophobia, anti-semitism and every other kind of hate or discrimination towards emotional beings. We’re the modern youth, fighting for a brighter future.” – ‘Never Ending Fight’

Als Hardcore-Combo braucht es einen Namen, der keinen Zweifel an der dahinter stehenden Attitüde aufkommen lässt. Solche wie STRENGTH APPROACH, MODERN LIFE IS WAR oder 20 LITER YOGHURT. Na gut, der Letztgenannte mutet etwas zweckfremd an. Aber genau da liegt der Reiz. Denn wer würde von einem Eimer Molkereierzeugnis schon barsches Gebrüll erwarten? Doch so ganz tough geben sich die Sachsen nicht. Zumindest nicht durchweg.

Im übertragenen Sinne reflektiert das auch die Weltgewandtheit: der Name deutsch, die Texte englisch, der Titel ihrer zweiten EP französisch. Das zeugt von der Verweigerung bestehender Grenzen und einem Weg, der nicht auf purer Kompromisslosigkeit fußt. Dafür steht auch die Musik: Hardcore trifft Punk trifft Post-Hardcore. Mal mit klarem Gesang, mal mit Shouts zwischen Wut, Verzweiflung und nicht auskurierter Erkältung.

Dass „L’art d’oublier” („Die Kunst des Vergessens“) purem DIY-Spirit entspringt, wird von der ersten Sekunde an unmissverständlich klar. Der Opener „Burn“, eine garagige Krachsalve, steht dabei nicht stellvertretend für die ganze Scheibe. Glücklicherweise. Denn sonst könnte es rasch eintönig werden. Die folgenden „Ghost“ und „Nothing“ sorgen (wie auch „Sins“) aber nicht allein für die Entkräftung etwaiger Befürchtungen, sondern auch eindrückliche Ausrufezeichen.

Barscher Vorwärtsdrang trifft vielseitige Melodien. Dazu gibt es Texte von Verlust und Einsamkeit. Oder, wie „Never Ending Fight“ offenbart, das klare Bekenntnis gegen Rassismus und Diskriminierung. Natürlich ist nach dieser Sieben-Track-Visitenkarte noch Luft nach oben. Aber trotz unvollkommenem, ans Frühwerk von FARMER’S BOULEVARD erinnerndem Sound bringen 20 LITER YOGHURT genug Überzeugungskraft mit, um kommenden Aufnahmen mit gebotenem Interesse entgegenzublicken.

Zu hören, downloaden und/oder erstehen gibt es „L’art d’oublier“ auf Bandcamp.

Wertung: (6,5 / 10)

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