16 Blocks (USA/D 2006)

16-blocks„Days change, seasons change, people don’t change.” – Jack Mosley

Im Actionfilm ist Bruce Willis des Prototyp des Underdogs. Seine Darstellung des John McLane in „Stirb langsam“ drückte dem Genre einen unverkennbaren Stempel auf und läutete den Abgesang auf die heroischen Übermenschen der 80er – die Schwarzeneggers und Stallones – ein. Mit Richard Donners „16 Blocks“ kehrt Willis an den Quell seines Durchbruchs zurück, ist einmal mehr der falsche Mann zur richtigen Zeit. Im übertragenen Sinne heißt McLane jetzt Jack Mosley. Die beiden Figuren verbinden grundlegende Wesenszüge, die auf Hassliebe fußende Beziehung zum Alkohol ist nur einer. Mustercops sind beide erst auf den zweiten Blick. Jack Mosley könnte leicht der alternde John McLane sein. Lichtes Haar, Wampe, Schnauzbart, dazu Augenringe jener Größe, die er in früheren Tagen seinen Gegnern mit der Faust verpasst hat.

Eines schwülen Tages wird der ausgebrannte Mosley, dem die Sekretärin allmorgendlich Pfefferminz gegen die Schnapsfahne reicht, mit der Aufgabe betraut, den geschwätzigen Häftling Eddie Bunker (Mos Def, „Per Anhalter durch die Galaxis“) zum 16 Blocks entfernten Gerichtsgebäude zu eskortieren. Unterwegs kann Jack, im Begriff seinen Vorrat an hochprozentigen Alkoholika aufzustocken, mit knapper Not die Liquidierung Bunkers verhindern. Mit dem Auftauchen seines langjährigen Freundes und Partners Frank Nugent (David Morse, „Verhandlungssache“) wird der Fall klar: Eddie soll vor Gericht gegen kriminelle Cops aussagen. Und die wollen nun seinen Tod. Bevor es dazu kommt, reagiert Jack und begibt sich auf eine waghalsige Flucht durch die Straßenschluchten New Yorks. Doch der Weg zum Gerichtssaal ist gesäumt von Ordnungshütern, die alles daran setzen, den unliebsamen Zeugen zum Schweigen zu bringen.

Routinier Richard Donner, dessen „Lethal Weapon“-Reihe Actionfach und Buddy-Komödie aufmöbelte, serviert einen spannenden, aber doch arg unglaubwürdigen Thriller. Der Zuschauer hat bei „16 Blocks“ manch bittere Pille überbordender Unlogik zu schlucken. Sind diese aber erst verdaut, entpuppt sich die räumlich wie zeitlich verknappte Version von Clint Eastwoods „Der Mann, der niemals aufgibt“ als packende Hatz durch Menschenmengen, Wohnkomplexe und Seitenstraßen. Getragen von guten Darstellerleistungen – nur Mos Def trägt als Attribut an ein Massenpublikum etwas dick auf – erzeugt der annähernd in Echtzeit inszenierte Film eine konstante Atmosphäre. Wenn schon nicht der konstruierte Inhalt, so ist zumindest der Schweiß von Jägern und Gejagten glaubhaft. Die dosierte Action lebt vom Schnitt, der die Dynamik der Bilder über puren Waffengebrauch hinaus trägt.

Die moralische Botschaft, das sich jeder Mensch zum Guten wandeln kann, ist simpel, wirkt gegen Ende arg aufgesetzt. Dem echten Eddie Bunker – dem Mr. Blue aus Quentin Tarantinos „Reservoir Dogs“ – hätte das sicher gefallen. Der ehemalige Knacki und spätere Filmschaffende – unter anderem schrieb er das Skript zu „Animal Factory“ und betreute die Dreharbeiten zu „Heat“ – starb im Juli 2005.

Wertung: (6 / 10)

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