15.11.2025 – The Dead End Kids / Trümmerratten – Düsseldorf, Ratinger Hof

Vielleicht liegt es daran, dass immer weniger Menschen in die Kirche gehen. Und sei sie auch noch so schillernd. Doch den Verheißungen der „Church of Glitzerpower“ und ihren Zeremonienmeister*innen von THE DEAD END KIDS wollten an diesem lauen Herbstabend nicht allzu viele Individuen erliegen. An Ende mögen es rund 50 Gläubige im Ratinger Hof gewesen sein. Was die erlebten, war an Erleuchtung allerdings schwer zu überbieten!
Den ersten Teil der Messe lasen – oder besser: lärmten – die TRÜMMERRATTEN aus Hamburg. Das Trio um Drummerin Tüddel, die mit ihrem großen kleinen Label RilRec nicht nur die DEAD END KIDS gefördert hat, sondern auch die im Publikum zu erspähenden THEILEN und MARODE, bot Deutsch-Punk mit ausgeprägt rockiger Ader. Ihrem Sänger stand das Kleid dazu ausgezeichnet und die zahlreichen amüsanten Ansagen, darunter die wiederholte, betont statische Bekundung, vor der Bühne das beste Publikum ihrer Geschichte zu erleben, trugen ebenfalls zum stattlichen Unterhaltungswert bei.
Der Sound im Altstadt-Club ließ an diesem Abend keinen Grund zur Klage. Dazu passte das Set der TRÜMMERRATTEN, das u. a. mit „Bock auf Rock“, „Glas und Stahl“, „Anarchie und Bildung“, „Scheiß in die Bahn“, „Wer Fußball mag, hat die Kontrolle über sein Leben verloren“, „Endlich duschen“, „Abfahrt“ und „Punk ist Drag“ ausreichend Hit-verdächtig daherkam. Der überschaubare Pulk war jedenfalls auf Betriebstemperatur, als die DEAD END KIDS die Bühne in Beschlag nahmen und ein Feuerwerk abfackelten, an der sich die nicht glitzernde Kirche mal ein gottverdammtes Beispiel nehmen könnte

Anlass für die erste Düsseldorf-Visite des live zum Quartett anwachsenden Trios aus Leipzig und Dresden war die Veröffentlichung des vierten Albums, „The Power of Now“. Dass ihre Version des modernen Deutsch-Punks bei der Gitarre mittlerweile deutlich vom Metal geküsst erscheint, prägte auch live das Stimmungsbild. Hinzu kam, dass das Schlagzeug von Co-Sängerin Fatima in der Mitte des vorderen Bühnenbereichs platziert wurde. Das damit verbundene Mehr an Nähe leistete auch seinen Beitrag zur vom Fleck weg großartigen Atmosphäre. Was folgte waren fast eineinhalb Stunden Ekstase, bei denen die DEAD END KIDS lieferten, als würden sie ein volles Haus beschallen.
Neben Songs vom neuen Album, darunter „Millennial Crisis“, „Abriss“, „Z-Promis“, „Angriff der Yogi-Ritter“, „Lichtfresser“, „So viel Frust“, „Sport ist Mord“, „GV“ und „Friede, Freude, Eierkuchen“, wurden natürlich auch Beiträge der früheren Outputs geschmettert. Solche wie „Sie träumt…“, „Verliebt“, „Prokrastination“, „Luxusprobleme“, „Lost in the City“, „Übergriff“, „EGO“ oder „Influenza“. Dass die seit Schulzeiten befreundeten Musiker*innen eine tiefe Verbundenheit eint, blieb durchweg spürbar. Tatsächlich gibt es selten eine Band zu erleben, bei der die Chemie derart stimmt und die selbst aus kleinen Situationen so viel Spaß – oder üppige Ansagen – schöpft. Kurzum: Die „Church of Glitzerpower“ hat ihrem Namen wahrlich alle Ehre gemacht!
